Telefonnummer

+49 221 485 687 0

Suche

Sprache wählen

deDeutsch
Headergrafik

Desk-Research
Private Equity

Performance von Investoren untersucht

Desk-Research Ergebnisse
Von wegen Heuschrecke

Private Equity Gesellschaften galten lange als rücksichtslose Profitmaximierer, die selten an einer nachhaltigen Entwicklung ihrer Portfolio-Unternehmen interessiert sind. Doch die als „Heuschrecken“ beschimpften Kapitalgeber bringen Chancen mit: In unserer Desk-Research Analyse zur Performance von Portfolio-Unternehmen haben wir herausgefunden, dass diese signifikant besser abschneiden als ihre Wettbewerber ohne PE-Beteiligung.

Der SPD-Politiker Franz Müntefering beklagte in einem Interview im April 2005: „Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“

Auch heute noch gibt es kritische Sichtweisen – so zum Beispiel in der im Januar erschienenen Studie „Wie entwickeln sich Unternehmen mit Private Equity Eigentümern in Deutschland?“ der Hans-Böckler- Stiftung. Darin werden insbesondere die negative Entwicklung von Eigenkapitalquote und Beschäftigtenzahl bei mehrfach an PE-Gesellschaften verkaufte Unternehmen aller Branchen seit 2013 betrachtet.

Diese Ergebnisse können wir für Portfolio-Unternehmen in der Industriegüter- und Prozessindustrie nicht bestätigen: Sie erfuhren in den ersten fünf Jahren nach dem Erwerb eine signifikante Wertsteigerung. Portfolio-Unternehmen erzielen ein mehr als doppelt so hohes EBITDA- und Umsatzwachstum im Vergleich zu Firmen aus diesen Branchen ohne PE-Beteiligung.

Diese Beobachtung gilt über die gesamten fünf Jahre hinweg, und die Schere öffnet sich von Jahr zu Jahr weiter. So wächst der Umsatz von Portfolio-Unternehmen im Betrachtungszeitraum durchschnittlich um 28 Prozent, während Firmen ohne PE-Beteiligung 13 Prozent erreichen. Noch gravierender ist der Unterschied beim operativen Gewinn (EBITDA): Hier erreichen Portfolio-Unternehmen 42 Prozent Steigerung, während sich die Vergleichsgruppe mit neun Prozent zufriedengeben muss.

Vergleicht man die Mitarbeiteranzahl der Unternehmen, so haben auch hier die über fünf Jahre gehaltenen Portfolio- Unternehmen die Nase vorn: Ihre Beschäftigtenzahl wächst im Vergleich zur Branchen Peer Group stärker mit zwölf Prozent gegenüber neun Prozent. Nur bei einer Eingrenzung der Analyse auf Portfolio-Unternehmen mit reinem Restrukturierungsfokus haben wir eine Reduzierung der Mitarbeiteranzahl festgestellt.

mehr lesen

Portfolio-Unternehmen erfuhren in den ersten fünf Jahren nach dem Erwerb eine signifikante Wertsteigerung.

Kosten runter, Profit rauf

Das bei Portfolio-Unternehmen identifizierte überproportionale Wachstum des EBITDA im Verhältnis zum Umsatz – 42 gegenüber 28 Prozent – belegt, dass Gewinne nicht nur durch beschleunigtes Umsatzwachstum, sondern auch durch eine verbesserte Kosteneffizienz erzielt werden. Bei den Unternehmen ohne PE-Beteiligung sinkt hingegen die Profitabilität mit steigendem Umsatz: Während der Umsatz um 13 Prozent steigt, wächst das EBITDA nur um neun Prozent.

Ein genauer Blick auf die Kostenseite zeigt, dass Private Equity Gesellschaften bei neu erworbenen Unternehmen sehr schnell mit der Kostenoptimierung beginnen. Im Fokus stehen besonders die sogenannten Sonstigen Betriebsaufwendungen, die sich aus indirekten Bedarfen wie Facility Management, IT- und Marketingausgaben zusammensetzen. Schon ab dem zweiten Jahr (T2) nach der Übernahme eines Portfolio Unternehmens ist eine deutliche Reduzierung der Sonstigen Betriebsaufwendungen sichtbar. Binnen fünf Jahren sinken die Sonstigen Betriebsaufwendungen durchschnittlich um neun Prozent. Diese Optimierung trägt wesentlich zur überproportionalen Steigerung des EBITDA bei.

Hebel für Kostensenkungen aktiv suchen und nutzen

Unternehmen, die ihren operativen Gewinn steigern wollen, brauchen mit Optimierungsprojekten nicht zu warten, bis sie von einer PE-Gesellschaft übernommen werden. Die deutlich besseren Ergebnisse von Portfolio- Unternehmen zeigen aber, dass es sich lohnt, sich an deren Strategien zu orientieren.

Um die Kosten kontinuierlich zu senken, können die folgenden beispielhaften Ansätze erfolgversprechend sein:

Verschiebung des Fokus

von schnellen Lieferanten-Savings auf ganzheitliche Kategorie-Strategien für die verschiedenen Warengruppen

Lieferantenkonsolidierung

und standortübergreifende Bündelung von globalen Bedarfen

Bedarfsstandardisierung oder -respezifikation
Aktives Rohstoffmonitoring

auf Produktebene zur kontinuierlichen Überwachung der Rohstoffpreisentwicklung

Indexbasierte Vertragsgestaltung

bei Vorprodukten mit hohem Anteil von Rohstoffen

Die Erfolgreichsten verdoppeln beinahe ihren operativen Gewinn

Bei der Entwicklung der Materialkosten beobachten wir bemerkenswerte Differenzen innerhalb der Portfolio-Unternehmen. Im Durchschnitt gelingt es, die Materialkosten je produzierter Einheit stabil zu halten. Die Erfolgreichsten unter ihnen indes erreichen ein EBITDA-Wachstum um 94 Prozent, indem sie auch die Materialkosten kontinuierlich senken – binnen fünf Jahren um bis zu acht Prozent.

Private Equity Gesellschaften treiben die Kostenoptimierung voran, um eine nachhaltige Wertsteigerung in ihren Portfolio-Unternehmen zu schaffen. Die Erfolgreichsten von ihnen nutzen im Einkauf innovative und komplexe Ansätze und investieren darüber hinaus in digitale Lösungen wie Spend Analytics Tools oder Prozessautomatisierung.

Fazit - Nachhaltig Profit generieren

Unsere Langfrist-Analyse zeigt für die betrachteten Branchen Industriegüter und Prozessindustrie, dass Misstrauen gegenüber Private Equity Gesellschaften weitgehend unbegründet ist. Wie unsere Zahlen zeigen, handeln viele Private Equities eher langfristig und sind an nachhaltigem Geschäftserfolg orientiert. Durch die Herausforderungen der Corona-Pandemie sind Unternehmen in Schieflage geraten und daher auf der Suche nach Kapitalgebern. Zeitgleich stehen Private Equity Unternehmen hohe Kapitalsummen zur Verfügung („Dry Powder“). So ergeben sich vielversprechende Möglichkeiten für beide Seiten.

Autoren

Stefan Süßenguth

ist Principal am INVERTO-Standort München. Zu seinen Mandanten zählen internationale Industrieunternehmen sowie namhafte Private Equity Gesellschaften. Als Leiter des Competence Centers Principal Investors & Private Equity ist er zudem Experte für Due Diligence, operative Wertsteigerung und portfolioübergreifende Optimie-rung im Einkauf.

E-Mail schreiben

Torben Menzel

ist Project Manager bei INVERTO in Köln. Er betreut überwiegend Projekte in der Industriegüter- und Prozessindustrie und unterstützt zudem das Competence Center Principal Investors & Private Equity. Als Experte für quantitative Verfahren war er maßgeblich an der Analyse der Portfolio-Unternehmen beteiligt.

E-Mail schreiben

Studiendesign

Für unsere Analyse haben wir Geschäftsberichte von 67 Portfolio-Unternehmen aus den Jahren zwischen 2013 und 2019 untersucht. Die Entwicklung der Unternehmen aus der Industriegüter- und der Prozessindustrie haben wir verglichen mit jener von Unternehmen aus diesen Branchen, die nicht zu einer Private Equity Gesellschaft (PE) gehören. Die Portfolio-Unternehmen sind überwiegend in Europa ansässig (insgesamt 89 Prozent), die Mehrheit stammt dabei aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien (zusammen 45 Prozent). Ferner wurden Firmen in Kanada und den USA (elf Prozent) betrachtet. Die Daten der Vergleichsgruppe stammen von öffentlichen und privaten Statistik-Anbietern. Von den Portfolio-Unternehmen, die wir untersucht haben, verfolgen 56 Prozent einen Wachstumskurs, während 44 Prozent ein Restrukturierungsprogramm durchführen.

Studienergebnisse und Handlungsempfehlungen können unter diesem Link heruntergeladen werden:

Einfluss von Private-Equity-Gesellschaften auf die Leistung ihrer Portfoliounternehmen

  • Köln
  • Kopenhagen
  • London
  • München
  • Shanghai
  • Stockholm
  • Wien

We deliver results.