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Wir haben die Akzeptanz der Neuen Seidenstraße untersucht

So kommen Sie zum Zug

Der Zugverkehr zwischen China und Europa über die Neue Seidenstraße wächst unaufhaltsam. 2018 wurden über 370.000 Container zwischen Ost und West auf der Schiene transportiert. Da die Bahn wesentlich schneller ist als das Schiff, bietet der Landweg kürzere Lead Times und eine deutlich geringere Kapitalbindung. So kann die Nutzung ein Baustein in der Working Capital Optimierung sein.

 

Die Landverbindung der Neuen Seidenstraße ist dabei keine einzelne Bahntrasse, sondern ein Netz mit Verbindungen von Nordchina über Russland oder die Mongolei sowie einer weiteren Verbindung von Zentralchina über Kasachstan, Russland und Weißrussland. Die wichtigsten Bahnhöfe in Deutschland sind Hamburg und Duisburg, wo jeweils rund 35 Züge pro Woche ankommen. Weitere Stationen sind Leipzig, Nürnberg und München; in Österreich steuern die Züge aus Fernost Wien an.

Konsumgüter reisen nach Westen, Bauteile nach Osten

Nach Europa transportiert werden zumeist Textilien und Konsumgüter wie zum Beispiel Haushaltsgeräte. Auf dem Rückweg sind die Container in der Regel mit Vorprodukten der Maschinenbau- und Automobilbranche beladen. Bekannt ist, dass VW, Audi und BMW Bauteile per Bahn in ihre chinesischen Werke schicken.

Je nach Start- und Zielort sind die Züge elf bis 20 Tage unterwegs – und damit in jedem Fall deutlich schneller als Schiffe, die gut einen Monat benötigen. Schneller geht es nur noch per Flugzeug. Das ist dann allerdings auch rund 80 Prozent teurer als der Landweg. Nicht so eindeutig lassen sich die Preise zwischen Bahn- und Seefracht vergleichen. Anhaltspunkte, die freilich kein verbindliches Angebot ersetzen, gibt der Online-Calculator des Eurasian Railway Alliance Index ERAI (www.index1520.com), einem Zusammenschluss der kasachischen, russischen und weißrussischen Staatsbahnen. Die Ziffer 1520 in der Webadresse bezieht sich dabei auf die Spurbreite der ehemals sowjetischen Breitspurbahnen.

 

 

Geld ist wichtiger als Zeit

Wir haben rund 40 Experten befragt, inwieweit deutschsprachige Unternehmen die Neue Seidenstraße nutzen bzw. nutzen wollen und welche Prioritäten sie in ihren Lieferketten setzen. Für 58 Prozent der Befragten sind die Kosten das wichtigste Argument für die Wahl der Transportmittel. 32 Prozent legen ihren Fokus auf die Lead Times.

Dem Landweg der Neuen Seidenstraße steht die Mehrheit der Teilnehmer positiv gegenüber: 58 Prozent versprechen sich von der Nutzung Kostenvorteile, 63 Prozent erwarten schnellere Lead Times. So will auch eine Mehrheit von 58 Prozent diesen Transportweg nutzen. Hier gibt es allerdings ein deutlich ausgeprägtes Gefälle bei den Unternehmensgrößen: Während über 80 Prozent der Mittelständler mit einem Umsatz unter einer Mrd. Euro ja sagen, wollen nur 25 Prozent der Unternehmen mit mehr als einer Mrd. Umsatz auf die Schiene umsteigen. Möglicherweise sind kleinere und mittelständische Unternehmen flexibler als die Großen?

 

Geringere Kapitalbindung durch schnellere Taktung

Die kürzeren Transportzeiten des Zuges ermöglichen nicht nur eine schnellere Time-to-Market, die zum Beispiel für Modeunternehmen kritisch ist. Sie verringern darüber hinaus die Kapitalbindung gleich in zweifacher Form: Die Güter sind erstens schneller da, werden schneller verarbeitet und in den Verkauf gebracht. Zweitens kann der Lagerbestand reduziert werden, da die Lieferfrequenzen erhöht werden können. Diese Faktoren wirken sich erheblich auf das Working Capital aus und sollten deswegen unbedingt mit in Betracht gezogen werden, wenn es um die Wahl der Transportmittel geht. Der oben vorgestellte ERAI-Indexrechner kalkuliert dies übrigens mit.

 

In unserer Studie stellte sich heraus, dass etwa drei Mal so viele Unternehmen mit
einem Umsatz unter einer Mrd. Euro Lieferausfälle befürchten wie Firmen, die über dieser Schwelle liegen (36 versus 13 Prozent). Lieferverzögerungen fürchten gar 55 Prozent der KMU, aber nur 25 Prozent der Großen. Auch diese Sorge ist ein Argument für die Nutzung des Landweges: Der Transport gilt als zuverlässig und pünktlich. Hintergrund ist, dass die Züge aufgrund der notwendigen Umspurung an der chinesischen sowie an der polnischen Grenze fixe Zeitkorridore zur Verfügung haben, die sie nutzen müssen, um abgefertigt werden zu können.

Umweltaspekte spielen bei immerhin 27 Prozent der Befragten eine Rolle. Tatsächlich ist der Gütertransport per Bahn die Lösung, die am wenigsten CO2 benötigt. Da immer mehr Konsumenten von Unternehmen nachhaltiges Wirtschaften fordern, ist davon auszugehen, dass der Umweltschutz künftig eine größere Priorität erhält.

 

 

Für welche Güter eignet sich der Zug?

Allerdings können nicht alle Waren auf der Bahntrasse befördert werden: Die Strecke führt durch unterschiedliche Klimazonen und bewältigt starke Höhenunterschiede. Sie ist nicht durchgängig mit Strom versorgt, so dass zum Beispiel der ständige Betrieb von Kühlwaggons nicht gewährleistet ist. Der Transport von sensiblen Produkten wie Medikamenten oder Lebensmitteln ist folglich nicht möglich. Komplett verboten wurde die Beförderung von Gefahrgütern.

Am attraktivsten ist der Versand per Zug für Güter, die hochwertig sind und dabei wenig Platz brauchen. Je höher der Wert pro Kilogramm Gewicht, desto eher wird der Preis für die Bahnfahrt mit dem für die Schiffspassage vergleichbar. Das gilt umso mehr, wenn die Dauer der Kapitalbindung mit einbezogen wird.

Die Preise für die Nutzung der Zugverbindung werden aber voraussichtlich steigen. In den vergangenen Jahren subventionierte die chinesische Regierung die Bahntrasse, um sie konkurrenzfähig zu machen. Diese Subventionen, die zunächst 50 Prozent betrugen, werden jetzt sukzessive abgebaut. Für dieses Jahr betragen sie nur noch 30 Prozent.

Covid-19 hat in den vergangenen Wochen die Lieferketten nicht nur in der Produktion durcheinandergewirbelt, sondern auch beim Transport. Schiffe können nicht wie gewohnt beladen und abgefertigt werden. Der Zug kann hier aufgrund schnellerer Reaktionszeiten und höherer Flexibilität eine Lösung sein. Zwar ist der Bahnhof der am stärksten betroffenen chinesischen Stadt Wuhan bei Redaktionsschluss noch abgekoppelt, doch ansonsten ist das Schienennetz in Betrieb.

 

Chancen für neue Lieferanten

Durch die Neue Seidenstraße rücken Märkte in greifbare Nähe, die bislang wenig Beachtung fanden. Dies gilt besonders für die Anrainer der Strecke wie die Mongolei oder Kasachstan. Unternehmen, die dort neue Lieferanten qualifizieren möchten, sollten geeignete Warengruppen definieren und gezielt auf die Suche gehen. Jedoch geht es nicht ohne ein professionelles Risikomanagement: Da zu diesen Regionen bislang keine stabilen Handelsbeziehungen bestehen, könnten sich bestehende Regularien verschärfen und so zu Preiserhöhungen oder Lieferausfällen führen. Lieferbeziehungen zu Partnern in diesen Ländern sollten daher behutsam aufgebaut, bestehende Bindungen zu zuverlässigen Lieferanten unbedingt weitergepflegt werden.

Wir gehen davon aus, dass die Landverbindung der Neuen Seidenstraße in Zukunft noch intensiver verwendet wird. Die Corona-
epidemie könnte sich hier als Katalysator erweisen. Die Bahntrasse wird sich als Mittelweg zwischen dem schnellen und hochpreisigen Transport per Flugzeug und dem günstigen aber langsamen Weg per Schiff etablieren. Da die Verbindungen weiter ausgebaut werden und künftig auch eine südliche Trasse durch Pakistan, Afghanistan, den Iran und die Türkei zur Verfügung stehen wird, besteht die Chance, weitere Märkte an die internationalen Handelsströme anzuschließen. Europäische Unternehmen sollten die Potenziale für sich analysieren, ohne dabei die Risiken aus dem Blick zu verlieren.

 

 

 

 

 

Fazit

Die deutlich kürzeren Lieferzeiten per Zug ermöglichen eine schnellere Time-to-Market, höhere Flexibilität, geringere Lagerkosten und damit auch weniger gebundenes Kapital. Speziell bei kleineren Mengen hochwertiger Waren kann sich der Zug darüber hinaus auch als kostengünstigere Transportlösung erweisen. Unternehmen sollten für ihre Bedarfe aus Fernost konkret überprüfen, ob die Neue Seidenstraße eine Alternative für sie ist. Da sich die aktuellen Rahmenbedingungen zum Beispiel durch den geplanten Abbau von Subventionen ändern können, sollten sie die Wahl der Transportmittel regelmäßig überprüfen.

 

Über die Studie
Für die Lead Times Studie befragte INVERTO rund 40 Entscheider aus den Bereichen SCM und Logistik. Die Befragten stammen überwiegend aus dem Handel und der verarbeitenden Industrie – hier sind besonders die Branchen Automobil und Chemie vertreten. Interessierte finden die Studienergebnisse hier: inverto.com/leadtimes

 

 

Patrick Lepperhoff

ist Senior Project Manager in Köln und London und Leiter des Competence Centers Supply Chain Management. Er betreut Kunden aus der Industrie bei der Prozess- und Kostenoptimierung.

patrick.lepperhoff@inverto.com

Jan Mersmann

ist Project Manager in Köln und hat die Lead Times Studie betreut. Er begleitet Kunden bei der Optimierung ihrer Lieferketten. BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB

jan.mersmann@inverto.com

 

 

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