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1/2018 – Technik + Einkauf: Einkauf 2018 €‚- Auf vollen Touren

Einkäufer stehen €unter Druck. Denn die deutsche Wirtschaft boomt. Kapazitäten bei Zulieferern und Spediteuren werden knapper, Lieferzeiten länger. Zugleich steigen die Preise für viele Rohstoffe.

Lauter haben die Böller lange nicht gekracht. Über 137 Mio Euro ließen sich die Deutschen das Feuerwerk kosten, mit dem sie an Silvester das neue Jahr begrüßten. Damit gaben sie gut 20 % mehr für das Spektakel aus als 2010. Damals begann der Aufschwung der deutschen Wirtschaft, der nun seit neun Jahren andauert.

Das Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt 2018 um 2,6 Prozent zulegt. Wachstumstreiber ist anders als in früheren Aufschwungphasen bislang aber nicht der Export. Er erwirtschaftete 2017 nur 0,2 Prozentpunkte des Zuwachses von insgesamt 2,2 Prozent. Vielmehr sind es die Verbraucher, die das Wachstum stützen. Sie gaben 2017 zwei Prozent mehr für ihren Konsum aus. Damit trugen sie 1,4 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei.

Dieses Jahr geben auch die Investitionen der Unternehmen dem Wachstum Impulse. Der Sachverständigenrat der deutschen Wirtschaft erwartet, dass Betriebe im laufenden Jahr 5,1 Prozent mehr für Maschinen und Anlagen ausgeben als 2017. Schon im November bestellten sie 20 % mehr Ausrüstungsgüter als im Vormonat, meldet der Verband deutscher Maschinen und Anlagenbau. In diesem Jahr wollen neun von zehn jüngst vom Frankfurter Finanzdienstleister Creditshelf befragte Unternehmen ihre Investitionen nochmals deutlich steigern. „Dazu kommt 2018 auch noch eine steigende Nachfrage aus dem Ausland“, erwartet Dr. Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Gefüllte Auftragsbücher setzen Einkauf unter Druck
Genau damit wird der Boom für die Beschaffung deutscher Unternehmen zum Problem. Zwar stieg der Einkaufsmanagerindex des Bundesverbandes Materialwirtschaft Einkauf und Logistik (BME) im Dezember auf noch nie dagewesene 63,3 Punkte. Trotz ihrer Euphorie haben Einkäufer aber zunehmend mit steigenden Preisen und längeren Lieferzeiten zu kämpfen. Kein Wunder, wächst die Wirtschaft Berechnungen der Deutschen Bank zufolge 2018 doch zwei Prozent schneller, als es die Kapazitäten der Betriebe hergeben.

Die DELO Industrie Klebstoffe GmbH & Co. KGaA weiß, was das in der Praxis bedeutet. „Wenn uns unsere Partner schnell beliefern können, brauchen sie für die Anfertigung der von uns benötigten Sondermaschinen sechs Monate. Manchmal warten wir aber auch zwölf Monate“, erklärt Thomas Zwerger, kaufmännischer Leiter des Zulieferers für die Automobil- und Elektronikindustrie aus Windach in Bayern. Da der Mittelständler, der 2017 mit 650 Mitarbeitern gut 95 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete, auch 2018 so rasant wachsen möchte wie in den Jahren zuvor, bereitet DELO die Lieferverfügbarkeit von Produktionsanlagen zunehmend Bauchschmerzen.

Schwierig sei es inzwischen mitunter auch, freie Kapazitäten bei Spediteuren zu finden. DIHK-Experte
Treier erstaunt dies nicht. Denn acht von zehn Speditionen haben so große Probleme, Fahrer zu finden,
dass sie im Fachkräftemangel das größte Risiko für ihr Geschäft sehen. Zugleich stecken die Trucker, die
die Unternehmen haben, immer öfter im Stau. „Das trifft auch die produktionsverbindende Logistik“,
weiß Treier. „Denn so wird es für Unternehmen immer schwieriger, Lieferketten reibungslos zu organisieren.“ Die Gefahr, dass im Transportbereich ein gesamtwirtschaftliches Problem entsteht, sieht auch Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Er rät Einkäufern und Supply Chain Managern daher, Binnenschifffahrt, Schiene und Luftfracht stärker in ihrem Verkehrsträgermix zu berücksichtigen.

Bei der Rohstoffbeschaffung setzen Beschaffungsprofis bereits auf Alternativen, so eine Studie der Einkaufsberatung Inverto. Acht von zehn Einkäufern suchen danach derzeit nach Bezugsquellen außerhalb
von Staaten, in denen sie mit weiteren Beschränkungen des Rohstoffexports rechnen. Besonders reserviert
sind die Profis gegenüber China. Insgesamt machen sich drei von vier Umfrageteilnehmern Sorgen um die Versorgungssicherheit bei den Rohstoffen, die sie brauchen. Besonders kritisch ist die Lage bei Kupfer, Stahl und Eisen sowie Chemikalien.

Klebstoffspezialist DELO bereitet der Rohstoffeinkauf bislang keine Probleme. „Noch bekommen wir alles, was wir brauchen“, sagt der kaufmännische Leiter, Thomas Zwerger. „Allerdings wird es für unsere neun Einkäufer stressiger, die Beschaffung zu managen, weil weltweit die Nachfrage nach Chemikalien stark gestiegen ist.“ Zwerger kann auch deshalb beruhigt in die Zukunft blicken, weil er vorgesorgt hat. So hat DELO über viele Jahre partnerschaftliche Beziehungen zu seinen Lieferanten aufgebaut. Außerdem halten die Bayern ausreichend Rohstoffe sowie Kartuschen und Fässer für die Abfüllung ihrer Klebstoffe auf Lager und melden Lieferanten so früh wie möglich, welche Absatzmengen einzelner Chemikalien sie in den kommenden zwölf Monaten benötigen, um sich frühzeitig Liefermengen zu sichern. „Nur so können wir gewährleisten, dass wir unsere Kunden immer zuverlässig beliefern können. Auch in Verhandlungen hat Liefersicherheit für uns höchste Priorität“, erklärt Zwerger.

Ähnlich vorausschauend arbeiten viele Beschaffungsabteilungen, weiß Grobosch vom BME: „Zahlreiche Einkäufer haben vorgebeugt und ein breites Lieferantennetzwerk sowie unterschiedliche Beschaffungswege bei Vorprodukten und Rohstoffen aufgebaut. Deshalb stehen sie trotz der Hochkonjunktur nicht vor massiven Engpässen.“ Das heißt aber nicht, dass Beschaffungsprofis nicht unter Druck stünden.

Ändern wird sich daran sobald nichts. Denn auch 2019 wird die deutsche Wirtschaft um zwei Prozent wachsen, prognostiziert das ifo-Institut. Selbst die 2018 erweiterten Kapazitäten werden damit indes nicht mithalten können. Sehr viel mehr Wachstum ist aber auch nicht drin, erwartet DIHK-Chefvolkswirt Treier: „Dazu müssten wir mehr Fachkräfte oder eine höhere Produktivität haben.“ Dieser jedoch setzten die überbordende Bürokratie, die häufig unzureichende digitale Infrastruktur sowie Engpässe in der Verkehrsinfrastruktur Grenzen.

 

Erschienen in der Technik + Einkauf Ausgabe 1-2018 auf Seite 26 und 27
Autor: Gerd Meyring
https://www.technik-einkauf.de/

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