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Shared Value – Wie der Einkauf Nachhaltigkeit und Kostensenkung vereint

Die Relevanz von Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Auch wenn dieser Trend für Unternehmen auf den ersten Blick Herausforderungen darstellt, bietet er jedoch auch Chancen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Was insbesondere der Einkauf tun kann, um die Nachhaltigkeit im Unternehmen zu fördern und dabei sogar die Kosten zu senken, zeigt der Shared-Value-Ansatz.

Shared Value steht für eine klassische Win-win-Situation, in der Unternehmen wirtschaftlichen Mehrwert für sich schaffen und zugleich einen wirtschaftlichen oder sozialen Nutzen für die Gesellschaft stiften.

Der Einkauf kann aufgrund seines großen Netzwerks und als Schnittstelle zu externen Partnern und Lieferanten, bei der Initiierung und Umsetzung des Shared-Value-Konzeptes eine Schlüsselfunktion einnehmen. In dieser Rolle kann er zum Unternehmenserfolg weitaus mehr beitragen als reine Kostensenkung. Vielmehr kann der Einkauf Effizienzen schaffen, welche sich positiv auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sowie auf gesellschaftliche Missstände, wie Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung auswirken. Häufig besteht allerdings die Annahme, ein nachhaltiger Einkauf ließe sich nur mit höheren Kosten umsetzen. Praxisbeispiele wie von NORDSEE zeigen jedoch, dass es auch anders funktioniert.

Wichtig ist, dass der strategische Einkauf den Shared-Value-Ansatz ganzheitlich in die Betrachtung der Einkaufsfunktionen mit einbezieht und dafür sensibilisiert wird, die Shared-Value-Potenziale im eigenen Unternehmen zu erkennen und entsprechende strategische Lösungen einzuleiten.

 

Ansätze für Shared-Value-Konzepte im Einkauf

Fokus auf langfristige Einkaufsstrategie

Bis heute versuchen Unternehmen ihre Verhandlungsmacht in vollem Maße auszunutzen, um die maximale Kostenreduzierung zu erreichen. Modernere Ansätze verfolgen jedoch langfristige Partnerschaften und Kooperationen, mit dem Ziel, die Produktivität zu steigern und Ineffizienzen zu vermeiden. Historisch betrachtet lag der Fokus im Einkauf primär auf dem Preis der Produkte oder Dienstleistungen. Im Rahmen einer Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung wird allerdings deutlich, dass langfristig viele weitere Faktoren eine ausschlaggebende Rolle bei der Wahl des richtigen Partners, Produktes oder einer Dienstleistung spielen.

Sind Einkäufer für diese gesamtheitliche Betrachtung sensibilisiert, können sich Möglichkeiten auftun, wie der Aufbau langfristiger Partnerschaften zu Prozessoptimierungen, bei denen beide Parteien einen Mehrwert durch Effizienzsteigerungen erhalten können. Diese Effizienzvorteile wirken sich wiederum durch reduzierte Emissionen und Ressourcennutzung positiv auf Nachhaltigkeitskriterien aus.

Reduktion der Logistikkosten

Steigende Logistikkosten richten den Fokus vieler Branchen auf Beschaffungslösungen aus marktnahen Regionen. In einigen Fällen können Produkte nach Betrachtung einer Kosten-Nutzen-Analyse regional beschafft oder zumindest bestimmte, finale Produktionsschritte in der Region ausgeführt werden. Dadurch kann das Unternehmen die Logistikkosten senken und simultan die Emissionen reduzieren. Ein regional ausgerichteter Einkauf kann zudem weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile aufweisen:

  • Die Nachfrage nach Produkten aus der Region ist groß, das Vertrauen von Konsumenten in lokal-produzierte Produkte steigt. Dementsprechend forciert der LEH z.B. seine Marketingaktivitäten stark auf die Produkte aus der Region
  • Konsumenten sind zudem z.T. bereit für lokal produzierte Produkte mehr zu bezahlen
  • Neben geringeren Emissionen wird zudem durch die Unterstützung kleinerer lokaler Produzenten ein gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen

Ressourcenschonung

Steigende Energiepreise motivieren Unternehmen bereits seit Langem effizientere Technologien und Prozesse zu implementieren und die Recycling-Aktivitäten zu erhöhen. Dies reduziert sowohl Kosten als auch negative Umwelteinflüsse. Bei Einzelhandelsketten konnte man z. B. die Gesamtumstellung auf energieeffiziente LED-Lampen in den Filialen beobachten. Aus wirtschaftlicher Betrachtung hat dies Energiekosten reduziert, während der gesellschaftliche Vorteil durch weniger Energieverbrauch und somit geringerer Emissionen geschaffen wurde.

Aber auch das steigende Umweltbewusstsein der Konsumenten selbst zwingt Unternehmen ressourcenschonender zu handeln. Für den Einkauf bedeutet dies, Potenziale zu erkennen, die natürliche Ressourcen schonen und Kosten reduzieren.

Der starke Wettbewerb hat dazu geführt, dass der Kunde und dessen Bedürfnisse noch nie so sehr im Fokus standen wie heutzutage. So konnte die Reduktion von Verpackungsmüll und Lebensmittelabfällen durch den Druck der Verbraucher initiiert werden. Kommen Unternehmen dem gesellschaftlichen Interesse der Konsumenten nach und finden innovative Lösungen zur Reduktion des eingesetzten Verpackungsmaterials, können Kosten reduziert werden und gleichzeitig die Wahrnehmung beim Kunden verbessert werden.

Ein interessantes Beispiel aus dem LEH ist das „Natural Branding“, bei dem Obst und Gemüse durch eine Lasertechnologie gekennzeichnet wird, die vollkommen ohne Chemikalien auskommt. Dabei wird die von der EU-Verordnung vorgeschriebene Kennzeichnung mit einem Laser in die Schale gebrannt. Da die zuvor benötigten Plastiketiketten wegfallen, wird durch dieses Verfahren Plastikmüll reduziert, während das Unternehmen die Materialkosten senken kann.

Ein Beispiel aus der Gastronomie zeigt ergänzend, dass eine Umstellung von Plastik-Rührstäbchen auf Holz, Shared Value für Unternehmen und Gesellschaft erzeugen kann. Auch der Verzicht auf Strohhalme wird bei vielen Konsumenten als sehr positiv empfunden und kommt der Umwelt zu Gute – das Unternehmens-Image kann verbessert werden, während die Kosten sogar wegfallen.

Risikoreduktion

Das Risiko, dass eine Vernachlässigung von Nachhaltigkeit im Einkauf für negative Aufmerksamkeit sorgt und sich viral wie ein Lauffeuer verbreitet, steigt zunehmend an. Daher ist es insbesondere in der Konsumgüterbranche wichtig, diesem vorzubeugen und nachhaltig zu agieren – auf lange Sicht kann so das Risiko für Kosten und Umsatzverluste aufgrund negativer PR reduziert werden.

Produktdifferenzierung und Preissteigerung

Nachhaltigkeitssteigerung im Einkauf kann mit Produktdifferenzierungs-Strategien und daraus resultierenden Preiserhöhungen einhergehen, um somit ein erfolgreiches Shared-Value-Konzept umzusetzen. Höhere Preise sind für Konsumenten sogar ein wichtiger Anker für die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeit. Kunden wissen, dass nachhaltige Produkte nicht zum Tiefstpreis angeboten werden können, wodurch höhere Preise zur Authentizität des Konzepts und des Angebots beitragen.

So gibt es im LEH Eigenmarken im Premiumbereich zur Produktdifferenzierung, bei denen Nachhaltigkeit zur festen Basis der Produkte gehört, wie z. B. Fair-Trade-Schokolade oder -Kaffeesorten. Die Produktdifferenzierung speziell mit regionalen Produkten, wie die Ergänzung des Eiersortiments, um die Freiland-Eier vom Bauern um die Ecke, ist ebenfalls ein Beispiel für Produktdifferenzierung im Sinne des Shared Values. Konsumgüterhersteller wie MyMuesli beziehen nachhaltiges Handeln in ihr grundlegendes Businessmodel mit ein und haben somit ein Premiumprodukt im Hochpreissegment geschaffen, wodurch Shared Value erzielt wird.

Evaluierung technischer Entwicklungen

Bisher konnten Unternehmen auf die Wettbewerbsvorteile, die durch geringere Lohnkosten in Entwicklungsländern entstehen, kaum bis gar nicht verzichten, um ihre Produkte zu marktfähigen Preisen anbieten zu können. Durch technische Neuheiten und innovative Verfahren bei der Produktherstellung wie z.B. maschinelle Automatisierungen, können Teile der Produktionen – oder je nach Produkt auch die gesamte Herstellung – näher an den Absatzmarkt gerückt werden. Durch diese Reshoring-Möglichkeiten werden Logistikrouten verkürzt, Ausschussquoten verringert und somit sowohl Kosten als auch Emission reduziert. Es ist demzufolge wichtig, dass Unternehmen ihren Kenntnisstand bezüglich technologischer Neuheiten stehts aktuell halten, um potenzielle Effizienzsteigerungsmöglichkeiten nicht zu übersehen.

Ein konkretes Praxisbeispiel aus dem Onlinehandel verdeutlicht die Schaffung von Shared Value durch Nutzung technischer Hebel: So konnte INVERTO bei einem deutschen Händler eine neue Verpackungsmaschine einführen, welche durch die automatische Verkleinerung von Versandkartons das benötigte Füllmaterial reduzierte und das notwendige Versandvolumen reduziert. Zudem fand eine Umstellung des Füllmaterials von Styropor auf nachhaltigere Maisstärke statt. Dies führte beim Unternehmen zu einer Reduktion von Materialkosten, bei gleichzeitiger Reduktion eingesetzter Ressourcen.

 

 

 

 

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