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12.04.19 – MBI Einkäufer im Markt: Risiken für den Einkauf
haben sich verstärkt

Knappheit bei Materialien gehört neben steigenden Preisen zu dem größten Risiko, dem sich Einkäufer derzeit gegenübersehen. Die meisten Einkäufer befürchten, nicht alle benötigten Waren rechtzeitig beschaffen zu können.

Dieses Problem hat daher mit 65 Prozent die höchste Priorität für die Befragten, wie die jüngste Risikomanagementstudie von Inverto, einer Tochter der Boston Consulting Group (BCG) aufzeigt. Deutlich gestiegen ist aber auch die Sorge um die Preisstabilität. Auch in der NE-Metalle-Branche haben die Beschaffungsrisiken deutlich zugenommen.

Offensichtlich sei die Lage auf vielen Beschaffungsmärkten aufgrund der weiterhin guten Konjunktur und der errichteten Handelsbarrieren inzwischen angespannt, sagte Philipp Mall, Principal bei Inverto und verantwortlich für die Studie, im Gespräch mit MBI NE-Metalle Monitor. „Das Thema Versorgungssicherheit sowie die Preisrisiken stehen in vielen Bereichen stärker im Vordergrund. Selbst die gute Auftragslage ist ein wichtiges Thema geworden. So findet zum Beispiel in vielen Unternehmen eine Priorisierung von Kunden bei der Belieferung statt. Denn selbst kleinere Störungen im Betriebsablauf wie etwa der Ausfall einer Maschine, bei Logistik und vor- oder nachgelagerter Wertschöpfungskette können – zum Beispiel bei einem Verarbeiter von Aluteilen, der an der Kapazitätsgrenze produziert – zu größeren Verwerfungen bei der Belieferung führen.“

Risiken in der NE-Branche haben zugenommen

Auch in der NE-Metalle-Branche haben die Beschaffungsrisiken zugenommen. „Unsere Beobachtung ist, dass auch hier eher kurzfristig beschafft wird, da Langzeitverträge schwer zu vereinbaren sind. Die Vertragslaufzeit bei längeren Verträgen sinkt tendenziell, da auch für die Hersteller die Preisentwicklung und Versorgungssicherheit schwerer zu prognostizieren sind“, sagte Lars-Peter Häfele, Geschäftsführer und Experte für Rohstoffe bei Inverto, im Gespräch mit NE-Metalle Monitor. „Versorgungssicherheit ist aktuell grundsätzlich gegeben, die Frage ist jedoch zu welchem Preis.“ Handelsbeschränkungen und Zölle würden das Preisrisiko erhöhen. Für Aluminium zum Beispiel gebe es Sanktionen gegenüber Russland und Zölle auf Einfuhren in die USA. Ähnlich wie in anderen Branchen wird leider auch in der NE-Metalle-Branche mehr reagiert als proaktiv agiert, warnt Häfele. „Meistens werden Maßnahmen erst getroffen, wenn Preise schon steigen oder Versorgungsengpässe bereits bestehen.“ Auch größere Unternehmen seien hier nicht unbedingt proaktiver, zum Teil nutzten sie aber Hedging, um Preise abzusichern. Unternehmen mit hohem Rohstoffanteil sichern sich dem Experten zufolge bei Abschluss von Projekten oder Liefervereinbarungen aber meist zumindest die Mengen und/oder Preise ab, um in den laufenden Liefervereinbarungen das Preisrisiko zu reduzieren.

Maßnahmen werden häufig zu spät ergriffen

Die Marktpreise sind für die meisten NE-Metalle sehr volatil. Häfeles Empfehlung lautet daher, mögliche Handelsbeschränkungen – also Zölle und Sanktionen – im Auge zu behalten, da sich politisch schnell viel ändern könne. „Unternehmen sollten Lieferanten aus verschiedenen Ländern und Weltregionen qualifizieren und zumindest einen Teil des Beschaffungsvolumens langfristig absichern, um Versorgungssicherheit und soweit möglich auch Preissicherheit herzustellen“, rät er.

Risikomanagement wird weiterhin vernachlässigt

Insgesamt betrachtet machen den befragten Managern auch der weltweit zunehmende Protektionismus sowie der Brexit Sorgen. Bei den allgemeinen wirtschaftlichen Risiken dominieren laut Studie der zunehmende Protektionismus mit 54 Prozent sowie der Brexit mit 45 Prozent. Dies sei gegenüber dem Vorjahr ein fundamentaler Wandel, denn beide Themen wurden vor einem Jahr nur von 17 respektive 19 Prozent der Befragten als Gefahr wahrgenommen. Der deutliche Anstieg der Zahlen belege, dass das Vertrauen in die Politik, Kompromisse zu verhandeln, geschwunden sei.

„Die allgemeinen Risiken insgesamt haben zugenommen und vor allem der Brexit wird von den Unternehmen noch stärker als Risiko wahrgenommen. 2017 war das nicht der Fall, da gingen die meisten Befragten anscheinend noch von einer einvernehmlichen Lösung aus“, sagte Mall. Gerade beim Brexit sei der Unterschied zum Vorjahr signifikant, er betrage rund 30 Prozentpunkte. Solche drastischen Veränderungen binnen eines Jahres sind dem Experten zufolge sehr selten.

Weiter stehen auch IT-Kriminalität und veraltete digitale Technologien weit oben bei den allgemeinen Risiken. Im Vergleich zum Vorjahr sind diese Zahlen zwar etwas gesunken, doch mit 49 und 45 Prozent fühlen sich immer noch knapp die Hälfte der Entscheider nicht gut aufgestellt. Der jüngste Cyber-Angriff auf den Aluminiumkonzern Hydro zeigt die Auswirkungen dieses Risikos deutlich auf.

Trotz der im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Risiken betreibt aber nach wie vor nur gut die Hälfte der befragten Unternehmen ein systematisches Risikomanagement, warnt Mall. So sagten 56 Prozent der Befragten, dass in ihrem Betrieb Risiken systematisch erfasst und bewertet werden. Je größer ein Unternehmen ist, desto wahrscheinlicher ist, dass es ein Risiko-Monitoring betreibt: 76 Prozent der an der Studie beteiligten Unternehmen mit über einer Milliarde Euro Umsatz tun dies. Von den Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Euro Umsatz sind es nur 48 Prozent.

Obwohl nur gut die Hälfte der befragten Unternehmen Risiko-Monitoring betreibt, definieren über drei Viertel aller Firmen (78 Prozent) Gegenmaßnahmen – so auch 63 Prozent derer, die keine systematische Risikoerfassung haben. Bei den Gegenmaßnahmen dominieren klassische Aktivitäten wie regelmäßige Lieferantenbewertungen, langfristige Rahmenverträge sowie Dual-Sourcing-Strategien.

Unternehmen haben vermehrt Sicherheitslager aufgebaut

Komplexere Strategien, etwa vordefinierte Notfallpläne, Unterstützungsprogramme für Lieferanten oder Hedging, werden von weniger als einem Viertel der Studienteilnehmer genutzt. Hier zeigen sich teils deutliche Unterschiede zum Vorjahr: So gelingt es auch insgesamt betrachtet weniger Einkäufern (69 statt 77 Prozent), langfristige Verträge abzuschließen. Im Gegenzug haben mehr Unternehmen Sicherheitslager aufgebaut (43 statt 35 Prozent).

„Aufgrund andauernder handelspolitischer Konflikte und gravierender Versorgungsrisiken empfehlen wir allen Unternehmen dringend, ein systematisches Risikomanagement einzuführen und frühzeitig Gegenmaßnahmen zu definieren“, rät Inverto-Principal Philipp Mall.

Inverto befragte für die Studie nach eigenen Angaben knapp 100 Geschäftsführer und Einkaufsleiter aus verschiedenen Branchen über ihren Umgang mit Risiken. Die Beratungsgesellschaft realisiert die Studie seit dem Jahr 2013 jährlich. Interessierte finden die Ergebnisse der jüngsten Studie hier.

Autorin: Christine Büttner

Erschienen am 12.04.2019 in MBI Einkäufer im Markt auf S. 8 und S. 9
https://www.mbi-infosource.de/

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