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Ausgabe 15/2017 – Lebensmittel Praxis: Auf in den Kampf!

Rudolf Trettenbrein, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Inverto Austria, zu Ansatzpunkten in LEH und Lebensmittelindustrie, Lebensmittelverluste zu reduzieren.

Herr Trettenbrein, Sie beraten Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft u.a. zur Reduzierung von Food Waste. Was sind die wichtigsten Tipps für Händler?

Rudolf Trettenbrein: Große Herausforderungen bestehen für jeden Händler in den Bereichen Backwaren sowie Obst und Gemüse. Hier geschieht auch viel. Einige Händler haben Schnippelküchen eingerichtet, in denen Obst und Gemüse zu Convenience-Produkten verarbeitet werden. Aufgrund der zusätzlichen Kosten für Personal etc. verdienen sie hiermit nicht mehr Geld, reduzieren aber Warenverluste und bieten einen extra Service. Insbesondere bei Brot- und Backwaren wurden Kunden dahin erzogen, dass ihnen bis Ladenschluss möglichst die gesamte Vielfalt zur Verfügung steht. In unserer Beratung des Handels zeigen wir, dass man zwischen 19 und 20 Uhr statt mit 10 Gebäckvarianten auch mit 3 auskommt. Sind es die richtigen Sorten, verliert man keinen Umsatz, senkt aber seine Abschriften.

Auch in anderen Sortimenten beraten wir, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt an welcher Stelle im Markt zum richtigen Preis platziert werden sollten, um die Drehzahlen zu erhöhen. Ein wichtiger Rat an den Handel: Sprechen Sie mit Produzenten, um z. B. Anzahl und Zusammensetzung von Wareneinheiten anpassen zu lassen.

Was raten Sie der Industrie?

Für Hersteller gilt die Devise: Gleich am Anfang der Produktionskette Rohstoffe sparen, und Prozesse dahingehend optimieren, um Lebensmittelverlusten möglichst vorzubeugen. Geht es darum, bestehende Prozesse zu optimieren, ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten, um neue Wege zu finden. Das ist oft schwer, da man irgendwann betriebsblind wird. Dann können externe Partner helfen.

Können Sie hierzu konkrete Beispiele geben?

Viele. Ein Beispiel zur Prozess-Optimierung ist ein milchverarbeitender Betrieb, den wir gerade beraten. Er stellt z. B. Erdbeerjoghurt für unterschiedliche Marken und Handelsmarken her. 13 verschiedene Fruchtzubereitungen waren bisher auf Lager. Diese gibt es nur in sehr großen Gebinden mit 400 oder 800 kg. Laut HACCP darf jeder Kanister jedoch nur zwei bis dreimal angeschlossen werden. Daher wurden bisher 30 bis 35 Prozent weggeworfen. Durch neue Prozesse in der Herstellung ist es nicht mehr nötig, für jede Marke eine eigene Fruchtzubereitung zu verwenden. Es wird nun mit unterschiedlichen Joghurt-Varianten, mal gesüßt, mal Natur und Einzelkomponenten gearbeitet. So konnte der Verlust auf nahezu Null gesenkt werden.

Die norwegische Molkerei Q-Meieriene hat auf ihren Produkten das klassische MHD durch die Kennzeichnung „am besten vor dem xx.yy., aber danach nicht schlecht“ ersetzt. In Deutschland denkbar?

Hier hat die Politik alles daran gesetzt, Kunden dazu zu erziehen, zu stark auf das MHD zu schauen. Entgegengesetzte Maßnahmen werden es schwer haben. Man muss die Sinne einsetzen, bevor man Lebensmittel wegwirft – das gilt es, den Menschen wieder beizubringen. Sauerrahm z. B. ist noch bis zu sechs Monaten nach Ablauf des MHD in Ordnung.

Erschienen in der Print-Ausgabe der „LEBENSMITTEL PRAXIS“, Ausgabe 15/2017
Autor: Bettina Röttig

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