Telefonnummer

+49 221 485 687 0

Suche

Sprache wählen

deDeutsch
Headergrafik

01.02.19 – Lebensmittel Zeitung: Einkäufer erwarten höhere Preise

Herausforderungen für Rohstoffbeschaffer haben sich stark gewandelt – Inverto-Studie

Köln. Protektionismus und Handelskonflikte wirken sich immer stärker auf den weltweiten Handel aus. Einkäufer befürchten, dass Rohstoffe teurer werden und sie künftig nicht mehr die benötigten Mengen für ihr Unternehmen beschaffen können. Für die Studie befragte der Einkaufsspezialist Inverto Verantwortliche aus der FMCG-Industrie.

Glaubt man den Studienteilnehmern aus der Branche schnelldrehender Konsumgüter, werden die Preise für Rohstoffe in den kommenden Monaten weiter steigen. Insgesamt wurden für die Rohstoffstudie 112 Entscheider befragt. 31 Prozent von ihnen sind in der FMCG-Branche tätig. Gerade Befragte aus diesem Bereich blicken skeptisch auf die Marktentwicklung, fand die auf strategischen Einkauf und Supply Chain Management spezialisierte Kölner Unternehmensberatung, eine Tochtergesellschaft der Boston Consulting Group, heraus. 94 Prozent von ihnen befürchten, dass der Protektionismus weiter zunimmt, und 73 Prozent rechnen daher mit steigenden Preisen. Gut die Hälfte (52 Prozent) geht darüber hinaus von einer Verknappung der benötigten Rohstoffe aus. Die Lieferanten erwarten das anscheinend auch, denn die Zeitspanne, über die sie Fixpreise vereinbaren, hat sich ebenso deutlich verkürzt.

Nimmt man branchenübergreifend alle für die Untersuchung Befragten in den Blick – also nicht nur die FMCG-Verantwortlichen, zeigt sich, dass rund 90 Prozent der Studienteilnehmer (insgesamt) erwarten, dass sich die aktuellen Auseinandersetzungen zu echten Handelskriegen ausweiten werden. Allerdings gehen sie davon aus, dass nicht die ganze Welt gleichermaßen betroffen sein wird, sondern nur bestimmte Materialien oder aber einzelne Länder. Doch auch angesichts begrenzter Konflikte rechnen gut 80 Prozent der Befragten mit Preissteigerungen für Rohstoffe und knapp 60 Prozent befürchten Versorgungsengpässe. Besonders die Einkäufer für Eisen und Stahl, Aluminium sowie Kupfer nehmen die Risiken am stärksten wahr.

Branchenübergreifend sehen die Studienteilnehmer den Kontaktaufbau zu neuen Lieferanten in alternativen Beschaffungsmärkten (60 Prozent), die Prüfung alternativer Rohstoffe (49 Prozent) oder die Absicherung der Bezugspreise durch langfristige Verträge (42 Prozent) als die besten Lösungen, um sich gegen Preisanstiege abzusichern. Tatsächlich genutzt werden diese Mittel aber nur in weitaus geringerem Umfang: 44 Prozent suchen neue Lieferanten, 26 Prozent testen neue Materialien, 35 Prozent verhandeln Verträge mit langer Laufzeit. Da auch Lieferanten mit steigenden Preisen rechnen, haben sich bei zwei Dritteln der Befragten die Laufzeiten von Preisgarantien verringert.

Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Risiken, mit denen sich Entscheider (alle Befragten) konfrontiert sehen, stark verändert. So nennen nur 19 Prozent dieses Jahr rückläufige Absatzmengen als Gefahr für ihr Unternehmen. 2016 befürchteten dies noch 44 Prozent der Studienkandidaten. Demgegenüber sorgten sich vor zwei Jahren nur 18 Prozent der Befragten, dass sie die benötigten Rohstoffe nicht beschaffen könnten, während es heute fast 60 Prozent sind. Steigende Preise und Versorgungssicherheit dominieren die Geschäftstätigkeit der befragten Akteure 2018. Hier zeigt sich, wie massiv Protektionismus und schwelende Konflikte bereits in das Wirtschaftsleben eingreifen.

Um ihren Rohstoffbedarf abzusichern, halten 82 Prozent der FMCG-Befragten aus dem FMCG-Sektor den Aufbau alternativer Lieferanten in neuen Beschaffungsländern für eine Lösung, 65 Prozent setzen dies auch um. „Damit ist die Branche weit vorn, denn insgesamt gehen nur 44 Prozent unserer Studienteilnehmer diesen Weg“, sagt Lars-Peter Häfele, Geschäftsführer von Inverto. Anders sieht es bei der Prüfung alternativer Rohstoffe aus: Zwar halten drei Viertel dies für sinnvoll, doch nur 26 Prozent realisieren es bereits. „Hier zeigt sich, dass Lebensmittel-Rohstoffe nicht so leicht austauschbar sind, weil jede Änderung Geschmack und Qualität beeinflusst“, weiß Häfele.

Weil Rohstoffe immer Preisschwankungen unterliegen, ist Finanz-Hedging ein sinnvolles Mittel, um ungeplanten Steigerungen vorzubeugen. Jedoch verwenden nur 23 Prozent aller befragten Unternehmen dieses Instrument. Die Mehrheit der Studienteilnehmer zeigt sich skeptisch: Fast ein Drittel hält Hedging für Spekulation, 27 Prozent scheuen den Aufwand, 44 Prozent sind der Meinung, für die von ihnen benötigten Rohstoffe gebe es keine Möglichkeit für Hedging. Tatsächlich stehen aber für über 90 Prozent der Rohstoffe, die von den Befragten als relevant für das eigene Unternehmen angegeben wurden, geeignete Hedging-Instrumente zur Verfügung.

Unter den an der Umfrage teilnehmenden FMCG-Unternehmen sehen immerhin 41 Prozent das als geeignet zur Absicherung der Bezugspreise an. Allerdings wird es nur von 12 Prozent auch tatsächlich verwendet, obwohl sich damit ebenso viele Rohstoffpreise für Fast Moving Consumer Goods gut absichern ließen. kon/lz 05-19

 

Erschienen in der Lebensmittel Zeitung 5 vom 1. Februar 2019, Seite 49
https://www.lebensmittelzeitung.net/

  • Köln
  • Kopenhagen
  • London
  • München
  • Shanghai
  • Wien

We deliver results.