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31.07.17 – KURIER: Zuckermarkt im Umbruch

Aus für EU-Marktordnung. Die Freigabe der Produktionsmengen könnte Zucker billiger machen. Oder auch nicht.

VON ANDREAS ANZENBERGER

Es darf mehr produziert werden. Mit 1. Oktober 2017 läuft die EU-Zuckermarktordnung aus. Dann ist es den Rübenbauern freigestellt, so viel anzubauen, wie sie wollen. Die Ausweitung der Anbauflächen in den EU-Ländern um insgesamt etwa 16 Prozent hat bereits begonnen. Die Zuckerproduktion wird daher steigen. Welche Konsequenzen das haben wird, ist allerdings noch nicht völlig klar. Als am 1.April 2015 die Milchquote auslief, kam es zu einer deutlichen Mehrproduktion von Milch. Die Folge der Marktliberalisierung war ein Preisverfall. Ein wesentlicher Grund war allerdings auch der russische Importstopp für Agrarprodukte aus der EU. Davon war auch
Milch betroffen.

Importbeschränkung

Bei der Zuckerliberalisierung gelten andere Rahmenbedingungen. Es ist daher keineswegs selbstverständlich, dass der Zuckerpreis in der EU deutlich sinken wird. Die EU Importbeschränkungen für Zucker bleiben und Exportbeschränkungen fallen weg, verweist Rohstoff-Experte Marcus Schwarz auf die Chance, neue Märkte zu erobern.

Der Einkaufspezialist der Unternehmensberatung Inverto berät Firmen bei der Rohstoff-Beschaffung. Er rechnet nach dem Ende der Marktordnung mit schärferem Wettbewerb und einer weiteren Marktkonzentration. Außerdem werde es eine größere Volatilität bei Preisen und Mengen im Binnenmarkt geben. Aktuell ist der Zuckerpreis zwar wieder etwas gefallen, er ist aber immer noch deutlich höher als etwa im März 2016.

Das hat sich auch positiv auf die Bilanzen der Zuckerproduzenten ausgewirkt. Neue Märkte für den Zuckerexport sieht man vor allem in einigen Ländern Osteuropas. Der heimische Zuckerprozent Agrana will expandieren und zwei Zuckerfabriken in Serbien kaufen. Anders als Deutschland exportiert Österreich mehr Zucker als es importiert. Der Weltmarktpreis für Zucker hängt vor allem von den Ernteerträgen der großen Zuckerproduzenten wie Brasilien ab. Dort erwartet Schwarz heuer eine gute Ernte. Die Exportchancen der Europäer steigen, wenn wegen schlechterer Ernten der Weltmarktpreis steigt.

Die Strategie der Zuckereinkäufer hänge von der benötigen Menge ab, weiß Schwarz. Bei hohem Bedarf würden die Unternehmen aus Sicherheitsgründen längerfristige
Verträge abschließen. Bei kleineren Mengen warten sie auf günstigere Preise. Ein weitere Preis-Faktor ist der Verbrauch im Lebensmittelbereich. Bei Erfrischungsgetränken ist der Verkauf zurückgegangen, verweist Schwarz auf geänderte Konsumgewohnheiten.

Der Getränkeproduzent Coca Cola will den Zuckergehalt reduzieren. Cola habe seit Beginn des Jahrtausends etwa zwölf Prozent Kalorien verloren, bis 2020 sollen
es weitere zehn Prozent sein.

 

Erschienen am 31.07.2017 in der Printausgabe Kurier, Seite 14-15
www.kurier.at

 

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