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Experteninterview: Der aktuelle Fünf-Jahresplan der chinesischen Regierung

Bis 2020 verfolgt China ambitionierte Umweltschutzziele mit weitreichenden Auswirkungen auf alle Branchen. Minrui Ji, General Manager INVERTO China, umreißt für Sie die wichtigsten Punkte.

Welche konkreten Umweltschutzrichtlinien sind oder werden in Kürze in Kraft treten?

Die chinesische Regierung meint es mit dem Umweltschutz sehr ernst. Seit dem 10. Januar dieses Jahres greifen neue Richtlinien für das produzierende Gewerbe – sogenannte Emission Permit Administration Measures – die den Ausstoß von Abgas und Abwasser betreffen und Emissionsgrenzen regeln. Im selben Zuge wurde das Umweltsteuerrecht umgesetzt welches zu erhöhten Kosten für „Umweltsünder“ führt.

Wie gehen chinesische Behörden vor, um die neuen Regeln durchzusetzen?

Rigoros. In der Tat werden Fabriken, die die neuen Umweltschutzauflagen nicht erfüllen, von jetzt auf gleich geschlossen. Teilweise gehen die Behörden nach dem Prinzip „Schließen und Freiprüfen“ vor, d. h., Unternehmen aus Industrien, die die Umwelt stark belasten, werden zwangsweise geschlossen und dürfen ihre Produktion erst wiederaufnehmen, nachdem sie die nötige Auf- bzw. Umrüstung nachweisen
können.

Welche Auswirkungen hat die neue Umweltpolitik auf Produktionsunternehmen in China?

Produzierende Unternehmen müssen nun „Verschmutzungsrechte“ ähnlich der europäischen CO2-Zertifikate erwerben, zahlen also eine Art Umweltsteuer. Der Ausstoß von Abgas und das Abwasser werden streng und automatisiert kontrolliert. Verstöße führen zu einer sofortigen Drosselung oder gar Beendigung der Produktion.

Die Folge sind Lieferverzögerungen und Lieferantenausfälle. Regelmäßig melden sich Kunden unterschiedlichster Industrien in unserem Büro, die betroffen sind. Merkliche Preiserhöhungen für besonders „umweltschädlich produzierte“ Waren sind bereits spürbar. Zum Beispiel bei Metallkomponenten mit Oberflächenbehandlung oder Textilprodukten wie Jeans oder Sportswear. Ein Kunde aus der Baubranche hatte mit Versorgungsengpässen zu kämpfen und musste bei einem Schlüsselmaterial Preissteigerungen von mehr als 50 Prozent akzeptieren. Nahezu 30 Lieferanten eines Kunden aus der Chemiebranche mussten ihre Produktion einstellen, da sie die Auflagen nicht erfüllten.

Was raten Sie Unternehmen, die mit Lieferanten in China zusammenarbeiten?

Zuerst müssen Unternehmen für sich bewerten, welche Relevanz China als Lieferantenmarkt hat. Ist China Hauptbeschaffungsmarkt gilt es, die folgende Frage zu beantworten: Fällt die einzukaufende Ware in die direkt betroffenen Industrien wie Chemie, Pharma, Papier, Metall, etc.? Wenn ja, muss mit den eigenen chinesischen Lieferanten geklärt werden, ob sie aufgrund der neuen Umweltschutzmaßnahmen Probleme mit Vorlieferanten hinsichtlich Liefer- und Preissicherung haben. Die wichtigste Frage ist, ob eine „Emission Permit“ erworben wurde. Darüber hinaus sollte geklärt werden, ob der Lieferant in Zukunft von weiteren Umweltschutzmaßnahme des Fünfjahresplans
der chinesischen Regierung betroffen sein könnte.

Minrui Ji, General Manager INVERTO China

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