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17.09.18 – MBI Einkäufer im Markt: Schlüsselrohstoff für Elektromobilität

An Kobalt aus dem Kongo geht langfristig kein Weg vorbei

Kobalt gilt als Schlüsselrohstoff für die Elektrifizierung des Antriebsstrangs. In Erwartung einer steigenden Nachfrage war der Preis des Metalls von 22.000 Dollar Anfang 2016 auf 95.000 Dollar am 22. März 2018 gestiegen. Seit diesem Hoch ist der Preis deutlich zurückgegangen. Derzeit kostet der Dreimonatskontrakt an der London Metal Exchange rund 63.250 US-Dollar pro Tonne. Der Kobaltmarkt hat sich entspannt, beobachtet Siyamend Al Barazi von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA): „Der Bergbau hat schnell auf die steigende Nachfrage reagiert und investiert in neue Projekte.“

Ein weiterer Grund für den Preisverfall sei, dass die starke Verteuerung einen Substitutionseffekt ausgelöst hat: „Kobalt wird in Lithium-Ionen-Batterien verstärkt durch Nickel ersetzt. Mittelfristig könnte dadurch der Bedarf an Kobalt gesenkt werden und es könnte zu einem Überangebot kommen“, erklärte der Geologe der DERA im Gespräch mit MBI Einkäufer im Markt. Er geht davon aus, dass sich – angetrieben durch die Elektromobilität – die weltweite Nachfrage nach Kobalt bis 2026 auf rund 225.000 Tonnen verdoppeln wird.

Das Metall wird zum großen Teil als Beiprodukt der Kupfer- und Nickelförderung aus der Erde geschürft. Für die Minengesellschaften haben steigende Kobaltpreise den angenehmen Nebeneffekt, dass sie ihre Produktionskosten senken können, erläutert Al Barazi: „Die Unternehmen fördern temporär Erze mit höherem Kobaltgehalt, um maximal an der Entwicklung des Kobaltpreises zu partizipieren.“

Kongo verfügt über die größten Reserven

Unternehmen, die Kobalt in ihren Produkten haben, können sich über die sinkenden Preise freuen – einerseits. Andererseits haben sie weiterhin ein Problem, und das heißt Kongo. Auf das zentralafrikanische Land entfallen rund 60 Prozent der weltweiten Minenproduktion von Kobalt. Auch im Hinblick auf die Reserven – diejenigen Vorkommen, die eindeutig bestätigt sind und
unter den gegebenen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen abgebaut werden können – liegt der Kongo vorn:

Laut dem U.S. Geological Survey verfügt das Land über Reserven in Höhe von 3,5 Millionen Tonnen. Das ist knapp die Hälfte der weltweiten Reserven von 7,1 Millionen Tonnen. Da sich die größten Projekte, die derzeit neu entwickelt werden, alle im Kongo befänden, werde die Angebotskonzentration bis 2026 sogar auf über 70 Prozent zunehmen, erwartet Al Barazi.

Die Demokratische Republik (DR) Kongo, wie der offizielle Staatsname lautet, hat ein schlechtes Image, was den Bergbau betrifft. Mineralien wie Coltan, Kobalt und Gold werden teilweise
unter haarsträubenden Bedingungen abgebaut.

Amnesty-Reports rütteln Unternehmen wach

Dies gilt insbesondere für den artisanalen oder Kleinbergbau, wie Amnesty International in einem Report aus dem Jahr 2016 dokumentiert hat (http://t1p.de/k30u). Arbeitssicherheit ist ein Fremdwort, die Arbeiter holen das Erz mit Hacke und Schaufel aus den Gruben. Unfälle kommen häufig vor, nicht selten mit tödlichem Ausgang. Außerdem ist Kinderarbeit verbreitet. Und nicht zuletzt werden mit den Einnahmen aus diesem Bergbau bewaffnete Konflikte zwischen verschiedenen Milizen im Osten der DR Kongo finanziert. 2017 hat Amnesty nachgelegt und eine Studie über die Kobaltbeschaffung großer Elektronik- und Automobilhersteller veröffentlicht.

Nachverfolgbarkeit ist das größte Problem

Ergebnis: Die Unternehmen täten nicht genug, um Menschenrechtsverletzungen in ihren Kobalt-Lieferketten zu unterbinden (http://t1p.de/m9lv). Die beiden Amnesty-Berichte hätten die Unternehmen aufgerüttelt, sagt Al Barazi: „Die Firmen wissen, dass sie ihre Lieferketten neu aufstellen müssen.“ BMW will seine Batteriezellen-Lieferanten CATL und SDI Samsung direkt mit Kobalt beliefern, ohne dabei auf Material aus dem Kongo zurückzugreifen. So äußerte sich im Juli der damalige BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann. Dabei bleibe es auch nach Duesmanns Abgang, wie BMW-Sprecher Michael Rebstock auf Anfrage erklärte: „Die Verträge sind unter Dach und Fach.“ Woher BMW das Kobalt bezieht, wollte er nicht sagen.

Lars-Peter Häfele sieht die Pläne skeptisch. „Ich halte es für so gut wie ausgeschlossen, dass BMW seinen Kobaltbedarf decken kann, ohne auf Material aus dem Kongo zurückzugreifen“, meint der Rohstoffexperte bei der Einkaufsberatung Inverto. Zumal der Kleinbergbau, der die größten Menschenrechtsverletzungen verursache, im Vergleich zu den industriell betriebenen Minen eher unbedeutend sei. Nach Angaben der DERA hat der artisanale und Kleinbergbau einen Anteil von 15 bis 20 Prozent an der Bergwerksförderung im Kongo.

Das Problem besteht darin, dass das Rohmaterial, sobald es den Kongo verlassen hat und verarbeitet worden ist, kaum noch zurückverfolgt werden kann. Woher wollen die Hersteller von Elektroautos, Hartwerkzeugen oder Handys wissen, ob das in ihren Produkten verarbeitete Kobalt aus „sauberen“ Quellen stammt? Das ist auch das Argument von BMW: „Solange wir nicht ausschließen können, dass Kobalt aus dem Kongo auch Chargen aus dem artisanalen Bergbau enthält, kaufen wir dort nicht ein“, sagt Unternehmenssprecher Rebstock.

Um hier weiterzuhelfen, ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover seit ungefähr zehn Jahren in der DR Kongo aktiv. Zusammen mit dem Bergbauministerium, dem privaten Minensektor und zivilgesellschaftlichen Akteuren entwickeln Mitarbeiter der BRG Standards für einen verantwortungsvollen Bergbau. Anfang Juli berichtete
die Bundesbehörde in einem Industrie-Workshop der DERA über den Stand ihrer Bemühungen. „Das Interesse der Industrie war groß“, sagt Al Barazi, mehr als 100 Teilnehmer hätten den
Weg zur Außenstelle der BGR in Berlin-Spandau gefunden. Die auf dem Workshop gehaltenen Vorträge können auf der Internetseite der DERA heruntergeladen werden: http://t1p.de/btmk.

 

Autor: Mark Krieger

Erschienen am 17.09.2018 in MBI Einkäufer im Markt auf S. 1 und S. 3
http://www.mbi-infosource.de/

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