„Ein perfekter Fit“

 

Wie kam es damals zu dem Interesse an INVERTO?

Martina: Auch wenn BCG seit jeher organisch wächst: Intern haben wir
immer eine Wunschliste mit möglichen Zukäufen. Gerade im Operations-Bereich, unserer weltweit größten funktionalen Praxisgruppe, zu der auch der Einkauf gehört, erfahren wir seit Jahren einen großen Anstieg der Nachfrage. Eigene Teams aufzubauen, ist da zu zeitintensiv und Spezialberatungen sind darüber hinaus bei diesen Themen viel näher am Kunden. Es hieß also: „Deutschland sucht den Superstar im Einkauf“ und INVERTO stand bei uns auf der Liste ganz oben.

Wie lief der Prozess dann konkret ab?

Martina: Angefangen hat alles mit einem Treffen einer BCG-Delegation mit den Geschäftsführern von INVERTO in einem Düsseldorfer Hotel. Dabei hat es direkt gut gepasst, aber natürlich ging es danach erst richtig los. Es gab unendlich viele Meetings, der Kennlernprozess hat sich weit über ein Jahr hingezogen. Dabei haben wir auch mögliche Extremsituationen besprochen, die die Partnerschaft belasten könnten.

Gehörte dazu auch eine Pandemie?

Martina: Corona konnten wir natürlich nicht vorhersehen. Dass es in den ersten fünf Jahren aber zu einer Wirtschaftskrise kommen könnte, das haben wir für sehr wahrscheinlich gehalten. Dieses Szenario haben wir durchgespielt, weswegen wir auch in dieser schwierigen Zeit vor Überraschungen weitestgehend gefeit sind. So ein Eigentümerwechsel geht ja nur selten ohne Konflikte über die Bühne …

Daniel: In der Regel mag das so sein, in diesem Fall kann ich das aber nicht bestätigen. Bei der Unternehmenskultur stimmte alles, Reibungen gab es kaum. Die Kultur, die ich in 17 Jahren bei BCG kennengelernt habe, passt perfekt zu der, für die INVERTO steht. Das zusammen gilt auch für die tiefe einkäuferische Expertise, die auf beiden Seiten vorhanden ist und sich perfekt ergänzt.

Gab es bei den BCG-Kollegen denn keinerlei Ängste oder Vorbehalte?

Daniel: Bei uns in der Gruppe ist das Vertrauen in die handelnden Personen grundsätzlich sehr groß. Zusätzlich zu diesem Vertrauensvorschuss hat es sehr geholfen, dass wir schnell erste gemeinsame Projekte angegangen sind. So konnten sich die Teams gegenseitig kennenlernen und wir konnten eventuelle Sorgen direkt zerstreuen.

Waren die Kunden genauso leicht zu überzeugen?

Daniel: Auch da war das Feedback von Anfang an sehr gut, sowohl von den BCG- als auch von den INVERTO-Klienten. Wir bei BCG haben durch den Zukauf zusätzliche Kompetenzen im Einkaufsbereich, die nehmen unsere Kunden natürlich gerne wahr. Und INVERTO kann nun das Komplettpaket anbieten, muss also nicht mehr abwinken, wenn ein Kunde neben Einkaufsberatung auch Hilfe in anderen Bereichen braucht.

Wie sieht es in der Praxis aus, wenn Teams von INVERTO und BCG gemeinsam bei Kunden aktiv sind?

Daniel: Das kommt natürlich sehr auf den Einzelfall an. Ein gutes Beispiel sind große Transformationsprojekte, die wir betreuen. Da kümmert sich BCG oft um die übergreifenden Unternehmensstrukturen, die zusammengebracht werden sollen, während INVERTO die Einkaufsabteilungen betreut. Aber auch in Einkaufsprojekten treten wir oft als Team gemeinsam an, da wir uns mit den Teams in den Expertise-Schwerpunkten perfekt ergänzen. Dadurch, dass die Zusammenarbeit so gut klappt, merkt man dann „Wir sind eins“.

Trotzdem läuft INVERTO nach wie vor als eigene Firma

Daniel: Der Zukauf war ja keine feindliche Übernahme, das fand im engen Austausch statt. Zu der Vereinbarung gehört auch, dass INVERTO weitestgehend unabhängig bleibt. Wir greifen bewusst nicht ins operative Geschäft ein.

Martina: Das ist auch wichtig, denn INVERTO funktioniert in manchen Bereichen anders als BCG. Mit dieser Andersartigkeit können wir aber sehr gut umgehen.

Wie schafft ihr es dann, dass alle auf gemeinsame Ziele hinarbeiten?

Daniel: Wir bleiben immer im Austausch – durch regelmäßige Meetings und Telefonkonferenzen sorgen wir dafür, dass alle an einem Strang ziehen. Ich koordiniere weiterhin in meiner Rolle als Global Topic Leader Procurement die Zusammenarbeit und habe deswegen eigentlich jeden Tag Kontakt mit jemandem von INVERTO. Die Zusammenarbeit ist also schon sehr eng, es gibt keine Berührungsängste und sie findet eben auch auf Augenhöhe statt.

Welche Bilanz zieht ihr nach den ersten gemeinsamen Jahren?

Daniel: Das Ganze ist eine super Erfolgsgeschichte: Das INVERTO-Geschäft hat sich seit 2017 verdoppelt. Wir hatten natürlich mit Wachstum gerechnet, aber dass das so schnell ging, hat selbst uns überrascht. Einen solchen Anstieg hatten wir frühestens nach fünf Jahren erwartet. Und wir erwarten eigentlich, dass es so weitergeht.

Martina: Dank INVERTO wird BCG im Bereich Procurement viel stärker wahrgenommen als zuvor. Das passt zu unserer Strategie, langfristig die Kompetenzfelder kontinuierlich zu ergänzen, sei es durch Eigenentwicklungen oder Ergänzung von Expertenteams oder von Spezialistenberatungen wie INVERTO.

Was stimmt euch optimistisch, dass es genauso erfolgreich weitergeht?

Daniel: Viele der Probleme, die aktuell die Weltwirtschaft beschäftigen, werden dazu führen, dass die Bedeutung des Einkaufs weiter steigt. Ob nun der Trend zum Protektionismus oder gerade der Ausbruch der Covid-19-Pandemie: Unternehmen machen sich Gedanken, wie sie ihre Lieferketten optimieren können. Hierbei liegt der Fokus zunehmend auf der weitergehenden Flexibilisierung der Lieferketten, Innovation, Nachhaltigkeit und weiterhin Kostenoptimierungen. Dabei bedarf es neuer Ansätze und Methoden, die wir als INVERTO und BCG anbieten können.

Und in fünf Jahren steht INVERTO wo?

Martina: Dann ist INVERTO europäischer Marktführer unter den Einkaufsberatungen. Dafür ist eine weitere Internationalisierung unumgänglich, aber angesichts der Erfahrungswerte bin ich optimistisch, dass das klappen wird.

Unsere Interviewpartner

Daniel Weise ist Managing Director und Partner bei BCG. Er leitet den Geschäftsbereich Procurement weltweit und ist Teil des globalen Führungsteams der Operations Practice Area. Er steht im engen, regelmäßigen Austausch mit uns – sowohl zu strategischen Fragen, als auch im operativen Business. Er verantwortet BCG-seitig die enge Koordination mit INVERTO.

Martina Rißmann ist Managing Director und Senior Partnerin bei BCG, Chief Financial Officer in Deutschland und Chief Operating Officer für BCG in CEMA. In ihrer Rolle als COO war sie eine der treibenden Kräfte im Übernahmeprozess und ist bis heute eine der Hauptansprechpartnerinnen für INVERTO.