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15.02.18 – Automobilwoche: Transformation – Mittelständler im Dornröschenschlaf

Viele mittelständische Unternehmen sind noch auf Produkte für den Verbrennungsmotor fokussiert. Laut Frank Welge, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Inverto, drängt die Zeit, um das Produktportfolio umzustellen.

Von Klaus-Dieter Flörecke

Herr Welge, wie können sich Mittelständler, die mit ihren Produkten derzeit vor allem noch auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor konzentriert sind, zukunftsfähig aufstellen?

Grundsätzlich ist es für mittelständische Unternehmen, die eine rein mechanische Bearbeitung haben, schwierig, sich neu auszurichten. Das Produktportfolio für diese Unternehmen wird sich grundsätzlich extrem ändern müssen. Heute sind viele Tier 1 oder Tier 2 Lieferanten fokussiert auf den Verbrennungsmotor. Doch die Nachfrage nach Produkten für den reinen Verbrenner wird zurückgehen und viele Zulieferer haben sich noch nicht auf den Wandel ausgerichtet. Sie wissen nicht, wie sie die mechanischen Produkte substituieren sollen.

Und wie sehr drängt die Zeit?

Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre müssen sich die Unternehmen überlegen, wie sie ihr Produktportfolio ergänzen wollen. Mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 200 Millionen und einer Milliarde Euro fehlt häufig die Finanzkraft, solche Strategien schnell umzusetzen. Die haben ihre gesamte Produktion und Prozesse sowie ihren Mitarbeiterstamm auf den mechanischen Prozess und Produkte für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ausgerichtet.

Ist sich der Mittelstand der ernsten Lage bewusst?

Die großen Mittelständler sind schon sehr aufgeweckt. Aber viele Unternehmen in der Größenordnung zwischen 200 Millionen und einer Milliarde Euro Jahresumsatz befinden sich noch im Dornröschenschlaf. Wir bekommen immer wieder Anfragen, selbst von größeren Mittelständlern, die nicht wissen, wie sie auf die derzeitigen Trendthemen wie Industrie 4.0 reagieren sollen. Und das ist erschreckend. Aufgrund der guten Konjunkturlage befindet sich ein Großteil der Unternehmen noch in einer Komfortzone, die sich Stück für Stück zurückentwickeln wird. Aber der Markt wird sich verändern und die Zulieferer müssen sich dieser Herausforderung stellen und ihr Unternehmen entsprechend ausrichten.

Wie könnten Lösungsansätze für den Mittelständler aussehen?

Zunächst einmal muss er über den Tellerrand hinausschauen. Er muss Partnerschaften und Kooperationen mit Unternehmen suchen, die heute nur teilweise oder auch gar nichts mit der Automobilindustrie zu tun haben.

Woran denken Sie da?

Beispielsweise Elektronikentwickler, Hersteller von Elektronik, Softwareentwickler, Anbieter von Speichermodulen oder elektronischer Verbindungstechnik.

Birgt das für den Mittelständler nicht auch Gefahren, sich Unternehmen mit Kompetenzen an die Seite zu holen, die das eigene Unternehmen ersetzbar machen?

Die Gefahr ist groß. Vor allem, wenn man Partnerschaften mit Unternehmen eingeht, die die Finanzkraft haben. Ich rate daher den mittelständischen Zulieferern, Partnerschaften mit Unternehmen anzustreben, die sich auf Augenhöhe befinden.

© Alle Rechte vorbehalten. Automobilwoche Crain Communications GmbH, Oberpfaffenhofen. Zur Verfügung gestellt von Automobilwoche.

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