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29.05.18 -Technik + Einkauf: Einkauf hat Defizite im strategischen Umgang mit Gefahren

Unternehmen, die Vorprodukte oder Rohstoffe außerhalb Europas beziehen, sollten dringend Maßnahmen zur aktiven Risikosteuerung ergreifenDoch nur gut die Hälfte der Unternehmen haben sich laut einer Studie von Inverto hier gut aufgestellt.

Man hätte es wissen können: Dass die neue US-Regierung Zollschranken als Mittel der Handelspolitik nutzen will, hat sie seit Amtsantritt immer wieder erklärt. Dennoch haben viele Verantwortliche offenbar nicht damit gerechnet, wie die Unruhe an den Börsen seit Verkündung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium zeigt. Derartige unangenehme Überraschungen können durch eine systematische Erfassung und Bewertung von Risiken vermieden werden. Eine Studie der Unternehmensberatung Inverto hat jedoch ergeben, dass es hier bei knapp der Hälfte aller Befragten Defizite gibt.

Veraltete digitale Technologien und die Furcht, Opfer von IT-Kriminalität zu werden, führen in der Umfrage die Liste der allgemeinen Risiken für Unternehmen an. Über 50 Prozent der Befragten machen sich Sorgen um diese Themen. Konkret auf den Einkauf bezogen, nennen die Teilnehmer Versorgungsrisiken (69 Prozent), die Abhängigkeit von Lieferanten (56 Prozent) sowie Risiken bei Qualität (40 Prozent) und Preis (35 Prozent) am häufigsten.

Protektionismus war zum Umfragezeitpunkt nur für 17 Prozent der Teilnehmer ein Thema. Angesichts des wenig strategischen Risikomanagements in vielen Unternehmen ist das nicht verwunderlich: Zwar definieren gut drei Viertel der Umfrageteilnehmer Maßnahmen, um Risiken im Einkauf zu begegnen  –  regelmäßige Lieferantenbewertungen, langfristige Rahmenverträge sowie Dual-Sourcing-Strategien werden als häufigste Gegenmaßnahmen genannt –, aber nur 52% der Befragten erfassen und bewerten Risiken systematisch. Wie wirksam sind Aktivitäten zur Risikominimierung im Falle des Eintritts, wenn die Risiken zuvor nicht präzise analysiert wurden?

Die aktuell eingeführten Strafzölle demonstrieren, wie wichtig eine umfassende Risikoerfassung und -bewertung ist, um Gefahren für das eigene Unternehmen im Vorfeld zu erkennen. Denn: Die Preisgefüge für Rohstoffe haben sich bereits spürbar verschoben und die Preise für viele Materialien werden steigen, wenn die Handelsbarrieren auf mehr Produkte ausgeweitet werden. Wer in dieser Situation noch keinen Maßnahmenkatalog hat, sollte spätestens jetzt mit der Planung beginnen.

Bedeutung für die Geschäftstätigkeit und Eintrittswahrscheinlichkeit feststellen

Um effektives Risikomanagement im Unternehmen zu implementieren, sollte zunächst eingeschätzt werden, wie stark der Eintritt eines Risikos die Geschäftstätigkeit beeinträchtigen würde. Ferner muss die Eintrittswahrscheinlichkeit festgestellt werden. Als Faustregel gilt: Je größer die Bedeutung eines Risikos für ein Unternehmen ist und je höher die Wahrscheinlichkeit, dass es eintritt, desto intensiver sollte die Lieferkette überwacht werden. Desto wichtiger ist es darüber hinaus, Alternativszenarien zu entwickeln.

In der aktuellen Situation sollten Unternehmen ihre Lieferketten überprüfen. Sind Lieferanten außerhalb der Europäischen Union beteiligt, sollten Einkäufer gezielt Kontakte zu Anbietern innerhalb der EU aufbauen und sich die benötigten Kontingente sichern. Auch Finanzhedging kann ein Mittel sein, um Preisanstiege zumindest für eine gewisse Zeit im Rahmen zu halten. Läutet der jetzt begonnene Streit um Schutzzölle tatsächlich eine neue Ära des Protektionismus ein, sind Preissteigerungen und weltweite Verschiebungen von Warenströmen jedoch langfristig nicht zu vermeiden.

 

Erschienen bei Technik + Einkauf am 29.05.2018 unter: www.technik-einkauf.de

 

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