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28.11.19 – TextilWirtschaft: Zara im Visier

NGO beschuldigt Konzern der Ausbeutung – Experten halten dagegen: „Das wäre total kontraproduktiv“

 

Das Thema Nachhaltigkeit/Soziale Verantwortung hält die Branche in Atem. In dieser Woche sorgte ein Report für Wirbel, der Zara an den Pranger stellt. Im Mittelpunkt: ein Hoodie aus der nachhaltigen Join Life-Serie des spanischen Moderiesen. Die Züricher NGO Public Eye, Vertreterin der Clean Clothes Campaign (CCC) in der Schweiz, hat versucht, den kompletten Werdegang des Teils nachzuvollziehen. Anschließend wurde eine Rechnung aufgestellt. Das Ergebnis: Von dem durchschnittlichen VK von 26,66 Euro könne Zara 4,20 Euro als Gewinn verbuchen, an die gesamte Vorstufe gingen nur 7,64 Euro, kritisiert CCC.

Experten halten gegenüber der TW die Aufstellung für realistisch. Kiran Mazumdar, Geschäftsführer der Kölner Unternehmensberatung Inverto: „Die Aufsplittung der externen Kosten–also Einkauf,Verpackung,Versand– ist gut recherchiert und aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar.“ Gar nicht überrascht ist auch Martin Schulte:„Die Werte sind plausibel und an vielen anderen Stellen bereits so ähnlich veröffentlicht worden. Eigentlich keine Nachricht wert“,findet der Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Die Public Eye-Story ist trotzdem in Publikumsmedien wie Der Spiegel gelandet, auch weil die Organisation fordert, dass Konzerne wie Inditex von ihren Margen zugunsten höherer Löhne abgeben sollten. In der Türkei zahlten die Betriebe den Recherchen zufolge ungefähr den Mindestlohn, also 2000 bis 2500 Lira (316 bis 395 Euro). Das entspreche aber nur einem Drittel des von CCC geforderten, existenzsichernden Lohns von 6130 Lira für eine vierköpfige Familie.

Inditex hält sich wie stets bei Presseanfragen zurück und verweist auf den Code of Conduct sowie zahlreiche Nachhaltigkeitsinitiativen. Was existenzsichernde Löhne betreffe, sei es nicht an Inditex, über deren Höhe zu bestimmen, sondern Sache der Arbeiter und Gewerkschaften,darüber zu verhandeln. Dafür dass das möglich sei, setze man sich selbstverständlich ein. Im Übrigen seien die von Public Eye genannten Summen falsch, die tatsächlich gezahlten Löhne in den betreffenden Werken lägen höher und damit deutlich über den Mindestlöhnen.

Immer wieder geraten vor allem Fast Fashion-Konzerne ins Kreuzfeuer von NGOs. Das Thema faire Löhne ist hochkomplex, und Experten sind sich einig, dass die Auftraggeber allein kaum etwas bewirken können. Einfach mehr zahlen, stelle nicht sicher,dass das Geld bei den Arbeitern ankommt. Auch Kiran Mazumdar hält die Theorie vom Riesenkonzern, der seine Lieferanten auspresst wie Zitronen, für falsch. „Inditex lebt von Schnelligkeit und Zuverlässigkeit und ist deshalb stark interessiert an langfristigen Beziehungen. Es wäre total kontraproduktiv, wenn der Konzern seine Lieferanten ausquetscht und dann weiterzieht.“ NO

 

Erschienen in der TextilWirtschaft Ausgabe Nr. 48 2019 auf Seite 7
www.textilwirtschaft.de

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