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22.04.20 – Handelsblatt: Manager werden optimistischer

Laut einer PwC-Umfrage unter Finanzvorständen blicken viele deutsche Manager positiver in die Zukunft als noch vor einigen Wochen. US-Manager bleiben skeptisch.

Siemens-Chef Joe Kaeser ist zuversichtlich. Der CEO geht davon aus, dass der Münchener Konzern die Coronakrise gut überstehen wird: weil die Produkte des Konzerns gebraucht würden und ausreichend Liquidität vorhanden sei. Ein paar schwierige Quartale erwartet Kaeser, doch denkt er jetzt mehr daran, wie man den Aufschwung nach der Coronakrise gestalten kann.

Für die 387 000 Mitarbeiter will er eine „Fete“ auf der ganzen Welt organisieren, wie der Manager jüngst der „Passauer Neuen Presse“ erzählte – bei der man dann womöglich „gemeinsam ein Corona-Bier“ trinken könnte. Das sind lockere Worte, die Chefs von derzeit schwer angeschlagenen Unternehmen wohl kaum wählen würden. Doch nicht nur bei Siemens, sondern auch bei vielen anderen großen Unternehmen macht sich mittlerweile etwas mehr Optimismus breit, die Coronakrise bewältigen zu können. Ein Indiz dafür liefert eine aktuelle Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter Finanzvorständen deutscher Konzerne aus allen Dax-Segmenten. Laut der Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, bewegen sich die Firmen langsam aus der Krisenstarre heraus. Zwar gaben noch 56 Prozent der Befragten an, dass Covid-19 signifikante Belastungen für das Geschäft bringen wird. Interessant ist aber der Vergleich zu der ersten von PwC erstellen Befragung der gleichen Topmanager von Mitte März. Damals hatten noch 79 Prozent der Befragten starke negative Auswirkungen durch das Virus befürchtet. Mehr als die Hälfte der CFOs erwartet aktuell, dass die Krise zu einem Umsatz- und Gewinnrückgang führen wird. Aber auch dieser Wert ist im Vergleich zur letzten Befragung etwas gesunken.

Lehren aus der Finanzkrise 
Zum wachsenden Optimismus dürften die staatlichen Sicherheits- und Schutzvorschriften beigetragen haben, mit denen Bund und Länder die Pandemie eindämmen wollen. „Im Vergleich zu anderen Ländern, zum Beispiel USA, UK oder Japan, wurde bei uns schnell, konsequent und transparent gehandelt“, sagt Ulrich Störk, Deutschlandchef von PwC. Gestützt wird dies durch den internationalen Stimmungsvergleich in der PwC-Studie: Danach äußern sich die Finanzvorstände amerikanischer Unternehmen aktuell deutlich pessimistischer. Starke negative Auswirkungen erwarten 74 Prozent der US-CFOs, das sind 13 Prozentpunkte mehr als im März. Dieser Wert entspricht auch dem weltweiten Durchschnitt in der aktuellen Studie.

Die entspanntere Stimmungslage bei deutschen Firmen liegt nicht nur an staatlichen Regulierungen, sondern am eigenen Krisenmanagement. So haben fast alle größeren Unternehmen sehr früh Krisenstäbe eingesetzt, die sich um die Sicherheit der Mitarbeiter und der Produktion kümmerten – sofern Letztere aufrechterhalten wurde. Chemiefirmen, Maschinenbauer und Stahlproduzenten konnten dank detaillierter Schutzkonzepte ihre Anlagen ohne größere Probleme weiterlaufen lassen. Aus Sicht von Unternehmensberatern profitieren viele Unternehmen momentan davon, dass sie aus der ersten großen Krise im neuen Jahrtausend – der Finanzkrise im Jahr 2009 – Lehren gezogen haben. Dazu gehören etwa flexible Prozesse, Notfallszenarien in der Schublade und eine gute Liquiditätsplanung. Überrascht sind viele Firmen, dass die Arbeitsabläufe weitgehend problemlos aus dem Homeoffice funktionieren. Sorgte die abrupte Umstellung zuerst noch für Unbehagen und Skepsis, so ist in vielen Betrieben mittlerweile ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Dass von heute auf morgen Millionen Menschen mit wenig Einschränkungen von zu Hause aus arbeiten können, zeigt aus Sicht Störks: „Die viel kritisierte Infrastruktur in Deutschland ist besser als ihr Ruf, auch wenn es da Luft nach oben gibt.“

Neue Lieferketten
Die leicht verbesserte Stimmungslage bedeutet auch, dass die Firmen intern etwas weniger hart gegen die Krise ansteuern. Zwar werden in 64 Prozent der von PwC befragten Firmen Investitionen auf Notwendigkeit überprüft, verschoben oder sogar gestrichen. Das betrifft aber weniger die zukunftsweisenden Projekte wie etwa die digitale Transformation. Auch in einer aktuellen Untersuchung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater zeigt sich, dass Unternehmen an Kerninvestitionen, etwa in die Digitalisierung, festhalten, sofern das finanziell für sie machbar ist. In schwer angeschlagenen Branchen wie Touristik und Luftfahrt ist der Spielraum der Manager dabei ungleich geringer. Neue Sparprogramme mit größerem Stellenabbau sind in der Wirtschaft noch nicht in Sicht. Viele kriselnde Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter halten und setzten erst einmal auf staatliche Hilfe wie Kurzarbeit. Auch Siemens-Chef Kaeser lehnt Kündigungen ab. „Wegen einer vorübergehenden Beschäftigungsschwankung wird bei Siemens niemand das Haus verlassen“, sagt er.

Doch der Kostendruck würde deutlich zunehmen, falls die Weltwirtschaft in eine länger anhaltende Schwächephase gerät. Dass dies geschieht, befürchten 69 Prozent der von PwC befragten CFOs weltweit. Annähernd die Hälfte geht davon aus, dass ihre Lieferketten nachhaltig gestört sind und neu geordnet werden müssen. Auf Störungen in einer Dimension wie durch Corona waren die wenigsten vorbereitet.

Wie die Unternehmen nun umsteuern, zeigt eine weitere Studie, die die Kölner Einkaufsberatung Inverto Ende März mit europäischen und amerikanischen Teilnehmern erstellt hat. Sie wollen ihre Lieferkette nach Corona krisenfester und transparenter machen und setzen auf eine engere und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den wichtigsten Lieferanten. Auch wollen die Firmen verstärkt nach lokalen Lieferanten an ihren weltweiten Standorten suchen.

Komplex werden die Lieferketten aber auch nach der Coronakrise bleiben. Dass sich die globale Vernetzung grundlegend ändern wird, davon geht kaum ein Unternehmensberater aus. Es wird eher darum gehen, diese Komplexität besser zu managen. Personalberater wie Egon Zehnder gehen davon aus, dass die Rolle und Verantwortung der Lieferketten-Manager in den Unternehmen deutlich steigen werden. An sie werden hohe Anforderungen gestellt: „Die Führungspersönlichkeiten müssen eine Kultur prägen, die mit Unsicherheit und ständiger Veränderung umgehen kann“, sagt Egon-Zehnder-Berater Benjamin Lüpschen.

Autor: Bert Fröndhoff, Düsseldorf
Erschienen im Handelsblatt, 22.04.2020, Nr. 078, S. 022
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