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17.11.17 – MBI NE METALLE MONITOR: Rohstoffstudie 2017

Viele Unternehmen sehen Versorgung mit Industrierohstoffen in Gefahr

Die Metallpreise gehen seit geraumer Zeit in die Höhe. Viele deutsche Unternehmen beobachten dies mit Sorge und befürchten Versorgungsprobleme, wie die Rohstoffstudie 2017 von Einkaufsberatung Inverto und Handelsblatt zeigt, für die Geschäftsführer, Vorstände und Einkaufsleiter in Europa zu ihrem Rohstoffmanagement befragt wurden. Fast 80 Prozent der Studienteilnehmer haben ein Rohstoffeinkaufsvolumen von mindestens 30 Prozent ihres Gesamteinkaufsvolumens. Und drei Viertel der Befragten sehen aktuell und zukünftig ihre Versorgung mit Industrierohstoffen in Gefahr. Über die Hälfte der Teilnehmer erwartet zudem Engpässe und Preisschübe aufgrund drohender Handelsbarrieren.

Nach Angaben von 40 Prozent der Befragten beeinflusst die reduzierte Verfügbarkeit von Rohstoffen das Geschäftsergebnis deutlich stärker als in der Vergangenheit. Auch zukünftig wird für viele Rohstoffe zunehmend mit Versorgungsproblemen gerechnet. So sehen nur noch zehn Prozent für keinen Rohstoff Versorgungsprobleme. Im vergangenen Jahr sah dies noch jeder vierte Teilnehmer. Insgesamt gesehen dürfte es zukünftig vor allen Dingen für Unternehmen mit Bedarf an Industrierohstoffen, wie Eisenmetallen und Stahl, NE-Metallen, Kunststoffen, Chemikalien, Energie und Seltenen Erden, Versorgungsprobleme geben. Für 81 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Unternehmen sind diese relevant. Und Dreiviertel der Befragten sehen hier aktuell und zukünftig Versorgungsprobleme. Ebenfalls Dreiviertel der Teilnehmer erwarten einen moderaten bis starken Kostenanstieg bei den für sie relevanten Rohstoffen.

Vor allem von China werden Handelsbeschränkungen erwartet

Insbesondere von China, dem für die Teilnehmer wichtigsten Ursprungsland für Rohstoffe, werden Handelsbeschränkungen erwartet. Der Preis für Aluminium beispielsweise habe seit dem Tiefpunkt im November 2015 einen starken Anstieg verzeichnet. Derzeit ist der Preis so hoch wie seit Anfang 2013 nicht mehr. „Verstärkt wird diese Entwicklung durch die staatlich verordnete Produktionsreduzierung in China in der Winterperiode aufgrund der starken Luftverschmutzung“, sagte Markus Bergauer, Geschäftsführer der Inverto GmbH, im Gespräch mit MBI NE-Metalle Monitor.

Knapp 80 Prozent der für die Studie Befragten beziehen Rohstoffe aus China, über 50 Prozent erwarten Handelsbeschränkungen von Seiten der chinesischen Regierung. Der Großteil der teilnehmenden Unternehmen will sich dagegen durch den Aufbau alternativer Beschaffungsmärkte absichern. Über 80 Prozent reagieren mit einer Verlagerung oder Teilverlagerung hin zu alternativen Beschaffungsmärkten auf die wahrgenommenen Risiken, knapp 60 Prozent versuchen sich durch Lieferantenwechsel zu schützen.

Der Einkauf am Spotmarkt ist unbeliebter geworden

Die Unsicherheit bezüglich der Rohstoffpreisentwicklung spiegelt sich auch in den Lieferverträgen wider: 65 Prozent der Befragten vereinbaren primär Verträge mit Festpreisen für ihre Rohstoffe, wobei die akzeptierten Zeitspannen für Festpreise weiterhin kürzer werden. Zudem wird ein Einkauf am Spotmarkt bei 23 Prozent deutlich seltener genutzt als noch im vergangenen Jahr bei 35 Prozent der Unternehmen. Weiter ist ein klarer Trend zu Verträgen in Euro erkennbar, um sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern.

Zwar haben die Rohstoffpreise einen maßgeblichen Einfluss auf das Geschäftsergebnis eines Unternehmens. Aber Rohstoffeinkäufer geben in diesem Bereich häufig mehr Geld aus als notwendig, so Bergauer. Vor allem die Wahl geeigneter Kaufzeitpunkte habe daher eine hohe bzw. sehr hohe Bedeutung, vor allem in den Bereichen Metalle und Energie. Die Hälfte der Unternehmen sieht laut Studie hohe Einsparpotenziale in der Optimierung der Einkaufszeitpunkte. Zur Bestimmung der Kaufzeitpunkte ziehen die Befragten vor allem Branchendienste sowie interne und externe Expertenmeinungen als geeignete Informationsquellen heran.

Noch wichtiger als Branchendienste und Expertenmeinungen aber wird die Analyse von Fundamentaldaten wie Lagerbeständen bei Produzenten und Spekulanten, Produktionskapazitäten und gesamtwirtschaftliche Entwicklungen als nützliches Werkzeug für die Bewertung des jeweiligen Marktes eingestuft. In der Praxis allerdings verwendet nur rund ein Drittel der Rohstoffeinkäufer Fundamentaldaten für die Entscheidungsfindung.

Der richtige Kaufzeitpunkt birgt hohes Einsparpotenzial

Die Auswahl geeigneter Kaufzeitpunkte berge aber ein hohes Einsparpotenzial, sagte Inverto-Geschäftsführer Bergauer weiter. Die Möglichkeiten zur Bestimmung dieser seien bei weitem noch nicht ausgereizt. Auch das vorhandene Potenzial durch den aktuell niedrigen Rohölpreis werde nicht ausreichend genutzt, trotz eines erwarteten Preisanstiegs. Ein Drittel der befragten Unternehmen hätten in der Befragung angegeben, die Vorteile des niedrigen Rohölpreises nicht genutzt zu haben, obwohl fast zwei Drittel Preissteigerungen erwarten. Ein Grund dafür sind laut Bergauer fehlende Kenntnisse über den Einfluss des Ölpreises auf die Gesamtkosten. Das gelte insbesondere für Branchen mit einem hohen Energiebedarf, etwa bei der Verarbeitung von Aluminium.

„Da aktuell von weiter steigenden Rohmaterialpreisen auszugehen ist, sollten Unternehmen und Einkäufer den Fokus verstärkt auf die Value Added Costs und damit auf die Wertschöpfung der Zulieferer richten. Entsprechende Prozessverbesserungen bieten Potenzial, das auch gemeinsam mit den Zulieferern erschlossen werden kann und häufig noch nicht ausgeschöpft ist“, erklärt Bergauer. Eine vertragliche Kopplung des Produktpreises an einen Index sei häufig möglich. „Sie sollte von den Unternehmen sowohl auf der Einkaufs- als auch auf der Verkaufsseite aufeinander abgestimmt eingesetzt werden, um die Effekte der Preisschwankungen auf die Erfolgsrechnung zu minimieren.“

Digitalisierung wird immer noch unterschätzt

Das Thema Digitalisierung hält zwar im Rohstoffeinkauf und -management Einzug, allerdings werden die Chancen laut Studie noch nicht umfassend erkannt: Einen deutlichen Effekt der Digitalisierung auf den künftigen Rohstoffbedarf erwarten aktuell nur sechs Prozent der befragten Unternehmen. Dagegen glauben immer noch 52 Prozent, dass die Digitalisierung künftig keinen Einfluss auf Materialeffizienz und Rohstoffbedarf ihres Unternehmens hat.

Für die Rohstoffbeschaffung sehen 42 Prozent der befragten Unternehmen einen Einsatz von so genannten Business Intelligence Tools (DataWarehouses) als sinnvoll an. Zwar werden diese zum jetzigen Zeitpunkt von lediglich rund einem Fünftel der Teilnehmer eingesetzt – im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Zahl der Nutzer damit aber verdoppelt. In ebenfalls 42 Prozent der Unternehmen konnten dank Digitalisierung die Herstellungsprozesse hinsichtlich einer Steigerung der Materialeffizienz bereits optimiert werden.

 

Autor: Christine Büttner
Erschienen bei MBI Infosource NE Metalle Monitor am Freitag, den 17. November 2017
www.mbi-infosource.de

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