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05.11.2019 – Handelsblatt: Rohstoff-Einkäufer besorgt wegen Handelskonflikt

Deutsche Unternehmen sehen in schwankenden Rohstoffpreisen das größte Handelsrisiko. Besserung erwarten die Befragten nicht.

Die Rohstoffexperten mittelständischer Unternehmen in Deutschland stellen sich auf volatile Rohstoffmärkte ein. Grund dafür ist der weiter ungelöste Handelsstreit. Das geht aus einer Umfrage der Unternehmensberatung Inverto in Kooperation mit dem Handelsblatt unter 87 Geschäftsführern und Einkaufsmanagern hervor. Demnach erwarten 76 Prozent der befragten Einkaufsexperten, dass schwankende Preise etwa für Öl, Chemikalien, Metalle oder Strom das größte Handelsrisiko für die Unternehmen sind.

Besserung erwarten die Befragten nicht: 83 Prozent gehen davon aus, dass Handelsbarrieren auch in Zukunft verstärkt als politisches Mittel genutzt werden. Lars-Peter Häfele, Studienautor und Managing Director bei Inverto, sagt: „Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Handelsbarrieren noch weiter ausgebaut werden. Sie befürchten, dass dadurch die Volatilität am Rohstoffmarkt steigt.“ Die Schwankungen bedeuten ein erhebliches Risiko für die Unternehmen. 71 Prozent der Befragten gaben an, dass Rohstoffpreise einen maßgeblichen Einfluss auf das Jahresergebnis ihres Unternehmens haben. Damit sind die Kosten für Öl, Kupfer und Co. der wichtigste externe Faktor für das Geschäftsergebnis.

Neben der Unsicherheit, welchen Ausgang der Handelskonflikt zwischen den USA und China nimmt, stimmt die Einkaufsmanager auch der konjunkturelle Ausblick zunehmend negativ. Rund 41 Prozent der Unternehmen befürchten wegen des wirtschaftlichen Abschwungs einen Rückgang der Absatzmenge.

Gleichzeitig erwarten immer mehr Einkäufer, dass die Konjunktursorgen auf den Rohstoffpreisen lasten. Zwar gehen weiterhin 56 Prozent der Befragten davon aus, dass die Rohstoffpreise in den kommenden 18 Monaten moderat oder sogar deutlich steigen. Doch: „Das ist der niedrigste Wert seit 2015 und ein erheblicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr“, sagt Häfele. „Die Unternehmen sehen sich offensichtlich mit einem Abschwung konfrontiert.“ Dagegen ist die sichere Versorgung mit Schlüsselrohstoffen aus Sicht der Manager mittlerweile ein weniger drängendes Problem. Während 2018 noch 58 Prozent der Befragten in der reduzierten Verfügbarkeit von Rohstoffen ein Risiko für das Jahresergebnis sahen, waren es 2019 nur noch
29 Prozent.

Streit um Seltene Erden

Doch zwischen den einzelnen Rohstoffen gibt es große Unterschiede. Hinsichtlich der Versorgung mit Strom, Öl oder Kupfer ist kaum einer der Einkaufsmanager besorgt. Anders sieht es bei Lithium oder Seltenen Erden aus: Bei ihnen rechnet rund jeder fünfte Befragte mit Engpässen. Dass diese Sorge durchaus berechtigt ist, zeigt eine aktuelle Studie der DZ Bank. Analystin Monika Boven warnt darin, dass China den Zugriff auf Seltene Erden als Waffe im Handelsstreit einsetzen könnte. Statt weitere Zölle auf US-Importe zu erheben, könnten die Chinesen Seltene Erden mit einem Exportembargo belegen. „Entsprechende Warnungen hat Peking bereits ausgesprochen“, so Boven.

Seltene Erden sind Metallverbindungen, die häufig in Hightech-Produkten verbaut werden, beispielsweise Elektromotoren und Windkraftanlagen, aber auch in Rüstungsgütern. Die Chinesen haben sich in den vergangenen Jahren wie kein anderes Land den Zugriff auf diese Ressourcen gesichert. Der DZ Bank zufolge ist die Volksrepublik mit 71 Prozent der mit Abstand größte Produzent der strategischen Metalle. Dass das Land nicht davor zurückschreckt, seine Machtposition auszuspielen, zeigte sich 2010, als China zunächst gegen Japan und schließlich weltweit ein Exportembargo für Seltene Erden verhängte. Das ließ die Preise um mehr als 500 Prozent steigen, heißt es in der DZ-Bank-Studie.

Damit sich eine solche Versorgungskrise nicht wiederholt, fordern die von Inverto befragten mittelständischen Einkäufer mehrheitlich, dass sich die Politik etwa auf EU-Ebene stärker für eine sichere Versorgung mit strategischen Rohstoffen engagiert. „China setzt sich ganz massiv für den Zugriff chinesischer Unternehmen auf Rohstoffe ein“, sagt Berater Häfele. Er mahnt: „Wir stehen im Wettbewerb mit Staaten, die sich stark um die Rohstoffversorgung kümmern. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir nicht einen Nachteil haben, wenn wir das nicht tun.“

Autor: Jakob Blume, Frankfurt
Erschienen im Handelsblatt, 05.11.2019, Nr. 213, S. 033
www.handelsblatt.com
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