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04.11.2019 – FAZ: Teurer Strom

Umfrage: Deutsche Unternehmen sorgen sich wegen steigender Kosten – Ruf nach dem Staat wird lauter

niza. FRANKFURT. Die Sorge vor hohen Energiekosten wird unter deutschen Unternehmen immer größer. Das geht aus einer Umfrage zum Rohstoffmarkt hervor, die Inverto, eine Tochtergesellschaft der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, kürzlich durchgeführt hat. Die Ergebnisse liegen der F.A.Z. vor; teilgenommen haben vorwiegend Geschäftsführer, Vorstände und Einkäufer aus Industrie und Handel. Jeder zweite der rund 90 Unternehmensvertreter erwartet demnach steigende Stromkosten; vor einem Jahr war es nur jeder sechste. Auch Preissprünge bei Öl und Gas befürchten mit knapp 40 Prozent doppelt so viele Teilnehmer wie zuletzt. „Angesichts der derzeit steigenden Preise stellt Strom das größte potentielle Risiko für die Teilnehmer dar“, heißt es weiter.

Inverto-Geschäftsführer Lars-Peter Häfele sieht einen wesentlichen Grund in der Verunsicherung durch die Energiewende. Unternehmen gäben an, nicht zu wissen, in welche Richtung sich die schon jetzt hohe Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz entwickele. Selbiges gelte für die Netzentgelte. Tatsächlich werden beide Abgaben nach jüngsten Ankündigungen der Netzbetreiber im kommenden Jahr abermals auf neue Höchststände steigen. Sie dienen der Finanzierung der Ökostromerzeugung sowie dem Bedarf, die zunehmend dezentral erzeugte Elektrizität in die Verbrauchszentren zu transportieren. Im Fall von den meisten anderen Rohstoffen wie Stahl, Kupfer oder Chemikalien ist die Furcht vor Mehrkosten laut Umfrage merklich geringer. Dafür beunruhigt die Unternehmen etwas mehr die Versorgungssicherheit in Bezug auf Metalle der seltenen Erden, die größtenteils in China produziert werden, oder das für die Elektromobilität wichtige Lithium.

Insgesamt aber ist die Furcht vor einer reduzierten Verfügbarkeit von Rohstoffen deutlich zurückgegangen: Von 58 auf nur noch 29 Prozent. Überhandgenommen hat im Gegenzug die konjunkturelle Unsicherheit. Mit anderen Worten: Das Gros der Unternehmen bekümmert in erster Linie, ob der Absatz stabil bleibt, und nicht, ob sie ihren Rohstoffhunger stillen können. Häfele sieht darin, wie könnte es aus Beratersicht anders sein, große Risiken. In vergleichbaren Abschwüngen habe eine solche Situation häufig dazu geführt, dass Unternehmen einen geringeren Fokus auf die Rohstoffbeschaffung gelegt haben. Unwägbarkeiten durch Handelsbarrieren oder Sanktionen etwa seien in der Vergangenheit „nicht proaktiv angegangen“ worden, etwa indem Lieferquellen in anderen Märkten ausgelotet wurden.

In der Umfrage geben 80 Prozent der Unternehmen an, keine aktive Rohstoffsicherung zu planen. Auch weitere 18 Prozent sind dazu nur in Einzelfällen bereit, und das obwohl eine Mehrzahl weltweit ein rauheres Handelsumfeld erwartet. Stattdessen sehen der Großteil der Studienteilnehmer den Staat oder auf übergeordneter Ebene die Europäische Union in der Pflicht, die strategische Rohstoffsicherung zu intensivieren – auch vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung Chinas im Einkauf. Bei Inverto hält man eine solche Industriepolitik für einen frommen Wunsch. „Es ist sicherlich unrealistisch zu glauben, dass Deutschland ähnlich wie China aktiv in die Sicherung von Rohstoffen einsteigt“, sagt Berater Häfele.

 

erschienen in der F.A.Z. vom 04.11.2019, Seite 19
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