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01.2019 – Technik + Einkauf: Fuhrparks grüner aufstellen

Benziner statt Diesel. Die Umstellung der Fuhrparks auf grüne Konzepte scheitert nach wie vor an fehlenden Angeboten der Industrie. Allerdings wird das  Rückwärtsfahren von E-Autos ab Juli schon einmal sicherer.

Die Politik hat ihr Versprechen gehalten. Für die private Nutzung ihres Firmenwagens mit Elektro-, Plug-in-Hybrid- und Brennstoffzellen-Antrieb müssen Arbeitnehmer seit 1. Januar nur noch 0,5 % des Brutto-Listenpreises statt bisher 1 % versteuern; auch die Zuschläge wurden halbiert. Berechnungsgrundlage ist weiterhin der Brutto-Listenpreis, auch wenn Fahrzeuge günstig, etwa mit Rabatt, oder gebraucht erworben wurden. Letzteres ist eher theoretischer Natur, denn Schnäppchen gibt der Markt nicht her. Nicht einmal der aktuelle Bedarf wird auch nur annähernd abgedeckt. Lieferzeiten von bis zu 12 Monaten sind keine Ausnahme und vernünftige Dispositionen unter diesen Bedingungen kaum möglich. Um 43,9 % auf 36 062 stieg die Zahl der neu zugelassenen E-Autos im Jahr 2018. Das waren aber nur 11 000 Fahrzeuge, von
4,02 Mio und damit verschwindend geringe 0,27 %. Bei Plug-in-Hybriden mit 31 443 Einheiten betrug das Plus 6,8 % beziehungsweise 0,05 %. „Mangels ökonomisch und ökologisch besserer Alternativen für Langstreckenfahrzeuge haben sich die deutschen Fuhrparkbetreiber nicht von der Dieseltechnologie verabschiedet.

Nach wie vor sind mehr als 80 Prozent der Flottenfahrzeuge mit Dieselmotoren ausgestattet“, konstatiert Axel Schäfer, Geschäftsführer Bundesverband Fuhrparkmanagement e.V. Der derzeit umweltfreundlichste Antrieb – das Erdgasfahrzeug – friste ein Schattendasein; laut Kraftfahrbundesamtes waren es 2017 nur 3 732 Fahrzeuge. Schäfer: „Klar ist, dass im Sinne der Umwelt seitens der Fahrzeugindustrie intensiv geforscht und entwickelt werden muss, damit unsere Fahrzeuge emissionsärmer werden.“ Diplomatischer kann man es kaum formulieren.

Verlässliche Alternativen gesucht

„Zwar beschäftigen sich die Verantwortlichen mit Alternativen und bisher vernachlässigten Optionen. Flotten, die früher aus Kostengründen fast ausschließlich aus Dieselfahrzeugen bestanden, werden inzwischen teilweise wieder für Otto-Motoren geöffnet oder mit steuerlich begünstigten Hybrid-/E-Fahrzeugen ergänzt“, so Halûk Sagol, Associate Director bei der Unternehmensberatung Inverto und Leiter des Competence Centers Indirect Spend. Im Verhältnis sei dies aber immer noch ein kleiner Anteil im gewerblichen Flottenmanagement – nicht zuletzt aus den genannten Gründen. Um flexibel und handlungsfähig zu bleiben, setzen zahlreiche Unternehmen zusätzlich Carsharing und Dauermiete ein.

Kosten sind stärkstes Argument

Statt mit neuen Prämissen planen zu können, haben die Fuhrparkverantwortlichen alle Hände voll zu tun, um mit den aktuellen Verwerfungen fertig zu werden. Sagol:„Das Fuhrparkmanagement hat ein neues Risikobewusstsein. Wir beobachten eine weitere Verlagerung zu Leasing statt Kaufen, um Restwertrisiken und Unsicherheit wegen Fahrverboten für Diesel mit planbarem Zeithorizont aus dem Weg zu gehen.“ Insgesamt seien die Kosten immer noch das stärkste Argument und beim Diesel zurzeit noch am geringsten. Die Kehrseite: Eine Analyse der Leasingkosten beim Diesel zeige, dass sich die verschlechterten Restwerte im Leasingfaktor niederschlagen.

Die Hersteller kompensieren das durch offensichtliche Reduzierung des Serviceleasings, damit es für die Abnehmer in den Gesamtkosten neutral bleibt“, so der Experte von Inverto. Die digitale Revolution wird seit Jahren beschworen. B ei schätzungsweise 90 % der ‚Innovationen‘ handelt es sich um neue Tools für prinzipiell bekannte Prozesse. Sie bringen natürlich Optimierungen, aber kaum etwas Neues. Umso mehr fällt die Idee von UZE Mobility, einer Ausgründung der RWTH Aachen, ins Auge. E-Fahrzeuge werden kostenlos verliehen. Sie spielen ihre Kosten ein, indem sie unterwegs Daten sammeln. Auf dieser Basis sollen über ferngesteuerte Displays beispielsweise interessen- und straßengenaue Werbung geschaltet werden. Man will Fahrzeug und Verkehrsdaten auch dazu nutzen, um, neue Verkehrsangebote oder Analysen des Verkehrs und der Verkehrsinfrastruktur an Kommunen und Versicherungen verkaufen zu können. Ende 2018 hat die Lueg AG, einer der größten deutschen Vertriebspartner der Daimler AG, eine Mio Euro in das Startup investiert.

Autor: Manfred Godek

Erschienen in der Technik + Einkauf 01/2019
www.technik-einkauf.de

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