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01.2019 – Startup Valley: Solide werden, damit das Abenteuer weitergeht

Um nachhaltige Erfolge und Gewinne zu erzielen, müssen Start-Ups ihre Prozesse optimieren

Start-Ups sind risikofreudig. Viele setzen zu Beginn alles auf schnelles und wenig auf profitables Wachstum. Doch langfristig überfordert dieser Ansatz: Wenn steigende Umsätze nur höhere Verluste bringen, sind Eigenkapital und externe Finanzierungen bald aufgezehrt. Um nachhaltige Erfolge und Gewinne zu erzielen, müssen Start-Ups ihre Prozesse professionalisieren. Das gilt speziell für den Einkauf und das Supply Chain Management.

Am Anfang stehen Erfolg und Wachstum auf dem Markt im Vordergrund, rote Zahlen werden von Gründern und Investoren bewusst einkalkuliert. Doch es kommt der Zeitpunkt, an dem sich ein Start-Up stabilisiert und das Wachstum nicht weiter zunimmt. Spätestens dann fordern Kapitalgeber positive Ergebnisse. Hier kann der Einkauf einen wertvollen Beitrag liefern.

Stabile Lieferantenbeziehungen aufbauen, optimale Preise aushandeln

Das gelang zum Beispiel bei mymuesli. Ziel der Beratung war es, den Einkauf so zu strukturieren, dass jederzeit alle gewünschten Zutaten in der richtigen Menge und erstklassigen Bio-Qualität zum optimalen Preis zur Verfügung stehen. Durch langfristige Verträge und den Aufbau von strategischen Beziehungen zu Lieferanten konnte mymuesli diese Ziele erreichen und Einsparungen im zweistelligen Prozentbereich erzielen.

Auch das Berliner Unternehmen Amorelie, Lifestyle-Händler für das Liebesleben, ließ sich zur Optimierung seines Einkaufs von INVERTO beraten. „Während der Entwicklung vom Start-up zum professionellen Mittelständler bleiben teilweise Prozesse durch das rasante Wachstum auf der Strecke“, sagt Lea-Sophie Cramer, Gründerin und Geschäftsführerin von Amorelie. Das führte zu dem eingangs skizzierten scheinbaren Paradoxon: Die Umsätze stiegen, doch die Gewinn- und Verlustrechnung blieb zunächst im roten Bereich.

Der 2013 gegründete Onlinehändler bietet sowohl Markenprodukte als auch Eigenmarken an. Gemeinsam mit den Einkäufern von Amorelie wurden Verhandlungen mit beiden Lieferantengruppen geführt und neue Lieferanten in Südostasien erschlossen. „So konnten wir effizientere Ausschreibungs- und Einkaufsprozesse etablieren und unser Einkaufsteam in Sachen Beschaffung und Verhandlungen langfristig schulen“, berichtet Lea-Sophie Cramer. Es gelang, den Nettoprofit zu steigern. Seit 2016 weist Amorelie Gewinne aus.

Der richtige Moment zur Professionalisierung

Die beiden Erfolgsgeschichten zeigen vor allen Dingen Eines: Gründer und Geldgeber haben sich von der rasanten Markteroberung nicht blenden lassen, sondern zum richtigen Zeitpunkt erkannt, dass sie ihre internen Prozesse professionalisieren müssen. Diesen Moment wahrzunehmen, ist die große Herausforderung. Ein Start-Up besteht in der Regel zunächst einmal nur aus wenigen Personen. Das bedeutet wenig Arbeitsteilung und Spezialisierung – jeder macht alles. Entscheidungen werden im Team besprochen und es herrscht hohe Transparenz. In dieser Phase braucht ein Start-Up keine zu stark definierten Prozesse, sie wären sogar eher hinderlich, da Sie kurzfristige und disruptive Anpassungen des Geschäftsmodells erschweren.

Ab einer gewissen Unternehmensgröße jedoch weiß nicht mehr jeder, was auf dem Schreibtisch seines Gegenübers gerade passiert, die Transparenz geht verloren. Gleichzeitig stabilisiert sich das Geschäftsmodell und Skaleneffekte werden benötigt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ab diesem Zeitpunkt sollte ein Unternehmen vermehrt in die operational Excellence investieren.

Neben dem Finanzbereich sind die Optimierung von Einkauf und Lieferkettenmanagement typische Schwerpunkte. Start-Ups beschaffen meistens zunächst nach Bedarf. Die Lieferungen werden dann schrittweise abverkauft. Mit zunehmender Größe bilden sich kontinuierliche Warenflüsse und größere Beschaffungsgruppen heraus. Dies erfordert die Einführung von strategischem Lieferantenmanagement und eine Rückwärtsintegration der Lieferkette in das eigene Management. Im Vergleich zu den Ad-hoc-Käufen sind dadurch Effizienzsteigerungen und Einsparungen möglich, so dass die interne Wertschöpfung steigt. Die zusätzlichen Mittel stehen für die Weiterentwicklung anderer Unternehmensbereiche zur Verfügung – oder wirken sich positiv im Jahresergebnis aus.

Neubewertung der Investoren nach Break-Even

Ist ein Unternehmen am Markt etabliert und weist neben einem moderaten Wachstum konstant positive Erträge aus, erfolgt häufig eine Neubewertung der Inhaber- und Teilhaberstruktur. Zum Beispiel veräußern Venture-Capital-Geber Ihre Anteile an einen neuen Investor oder durch einen Börsengang. Auch die engere Bindung an einen strategischen Investor ist möglich: ProSiebenSat.1, das zunächst eine Minderheits-, und später die Mehrheitsbeteiligung an Amorelie hielt, besitzt seit Jahresbeginn 98 Prozent.

Für eine solche Entwicklung braucht ein Unternehmen nach Vision, Wachstum und Dynamik ebenso Struktur, Konsolidierung und Organisation. Auch wenn sie auf den ersten Blick eher das Gegenteil von Aufbruch und Abenteuer sind, so sind beide Seiten Voraussetzung für nachhaltige Erfolgsgeschichten.

Autor: Thibault Pucken
Erschienen in Startup Valley, Ausgabe 01/2019
https://www.startupvalley.news
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