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Baugewerbe INVERTO SMI

Projekt-Capex in der Bau-Industrie

Pieter Niehues, Principal bei INVERTO, über die Seltenheit von professionellen Einkaufsstrukturen

Immer wieder geraten Bauvorhaben wegen eklatanter Fehler bei der Budget- und Zeitplanung in die Schlagzeilen. Ist das symptomatisch für die gesamte Branche?

Nein, das stimmt so nicht. Große Bauvorhaben der öffentlichen Hand werden oft an der Realität vorbeigeplant. Dies liegt aber nicht zwangsweise an Planungsfehlern, sondern hat in vielen Fällen politische Gründe. Auch in der Privatwirtschaft kommt es zu Fehlplanungen, allerdings nicht in dieser Größenordnung. Denn bei privaten Unternehmen wiegen die Folgen, die eine Fehlplanung nach sich zieht, wesentlich schwerer. Richtig ist aber, dass es in der Bau-Industrie nach wie vor selten professionelle Einkaufsprozesse gibt, die helfen würden, Planungsfehler zu minimieren.

Welche besonderen Prämissen gelten für die CAPEX-Beschaffung im Bausektor?

Wichtig ist vor allem eine zeit- und kostenrealistische Planung auf Basis aktueller Marktgegebenheiten. Dies kann nur über die frühzeitige Einbindung eines strategischen Einkaufs in der Planungsphase geschehen.

Was bedeutet das konkret?

Bauherrn sollten frühzeitig – je nach Komplexität sechs bis 18 Monate im Voraus – den Markt erkunden. Dazu gehört neben einer dezidierten Firmenrecherche, sämtliche Baukapazitäten sowie Marktpreisbewegungen zu registrieren und zu analysieren. Es darf nicht zu ambitioniert geplant werden – etwaige Vorlaufzeiten der Baufirmen sind zwingend zu berücksichtigen. Nur wer heutzutage rechtzeitig die erforderlichen Kapazitäten für sein Vorhaben sichert, kann das Projekt zuverlässig innerhalb der geplanten Zeit umsetzen und kostenoptimiert vergeben. Umso wichtiger ist es, Einkaufsexperten mit an Bord zu haben, die das Instrumentarium effizienter Vergabeprozesse beherrschen und den Markt kennen.

Wie kommt es dann, dass der Baueinkauf gerade in einer materialintensiven Sparte wie der Bau- und Immobilienbranche nicht funktioniert?

In der Bau- und Immobilienwirtschaft herrscht meistens reines Projektdenken vor, eine projektübergreifende Koordination findet selten statt. Dies liegt aber auch an den Strukturen in der Industrie. Es ist üblich, dass Bauvorhaben von Planungsbüros gesteuert werden, die zumeist nur für ein bestimmtes Projekt angeheuert werden. Den Einkauf machen die Ingenieure bzw. Architekten in den Planungsbüros dann gleich mit. Allerdings mangelt es ihnen an kaufmännischem und einkaufsstrategischem Wissen, um die richtigen Einkaufshebel effizient einzusetzen. Diese gelernten Strukturen gilt es langfristig gesehen, aufzubrechen.

Gibt es denn von Seiten der Architekten und Bauplaner ein Interesse daran, CAPEX zu optimieren?

Die HOAI* (Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen) gibt leider einen Fehlanreiz für die Kostenoptimierung von Bauvorhaben in Deutschland. Denn die Vergütung der Architekten und Ingenieure basiert grundsätzlich auf der Höhe der Baukosten. Das Interesse, diese zu reduzieren, ist somit vergleichsweise gering. Warum also sollten die Planer daran interessiert sein, in Expertenressourcen zu investieren, die durch Optimierung der Beschaffungskosten ihre Honorarbasis senken?

*Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die deutsche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure in seinem Urteil vom 4. Juli 2019 für unzulässig erklärt.

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