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6/2017 – retail: Einkauf mit Grenzen

Trotz freiem Warenverkehr verteidigt die Industrie nationale Vertriebskanäle und versperrt Händlern den Weg zu günstigeren Einkaufspreisen in der EU.

Schnäppchenjagd ist nicht nur für Konsumenten eine überzeugende Einkaufsphilosophie. Auch Handelsunternehmen sind dem Konzept nicht abgeneigt, wenn sie bei der Industrie auf Shoppingtour gehen. Der freie Warenverkehr der EU verbietet Einkaufsbeschränkungen und gibt Händlern damit Zugang zu ausländischen Beschaffungsmärkten. „Die Preise für Markenartikel sind in Deutschland mindestens zwanzig Prozent günstiger. Die Industrie aber scheut Parallelimporte des Handels nach Österreich“, sagt Rudolf Trettenbrein, Österreich-Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Inverto. Besonders groß ist die Marktmacht multinationaler Konzerne, die weite Teile der Regalflächen im Lebensmittel- und Drogeriehandel füllen. Die Preise der Markenartikel orientieren sich nicht nur am Durchschnittseinkommen des jeweiligen Landes, sondern neben zahleichen anderen Faktoren in der Wertschöpfungskette
auch an der Konkurrenzsituation in der Produktgruppe. Kurioserweise kann ein Markenartikel somit in Rumänien teurer sein als in Österreich.

Standards würden helfen

Ein zentraler Einkauf mit anschließender Lieferung in das länderübergreifende Filialnetz zahlt sich nur für finanzstarke Konzerne aus. Mehrkosten durch Umetikettierung der Ware sind nur auf Augenhöhe mit der Industrie zu stemmen. Liegen nationale Gesetze zu Grenzwerten und Kennzeichnung von Inhalten vor, sind Händler an die für Österreich hergestellten Produkte gebunden. „Einheitliche Standards in der EU würden Abhilfe schaffen“, sagt Trettenbrein. Andererseits erfolgt auch eine Differenzierung des identen Produkts für den jeweiligen Markt durch Produktdesign und Geschmacksstoffe. Aktuelles Beispiel für das Kräfteringen von Handel und Industrie: der Lieferstreit zwischen Edeka und dem US-Riesen Mars in Deutschland. Einige Produkte des Herstellers von Snickers, Whiskas oder Uncle Ben’s hat Edeka bereits ausgelistet.

Erschienen in „retail“, Juni 2017, Seite 19.

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