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Ausgabe 7-8/2017 – Management & Krankenhaus: Global Sourcing im Gesundheitssektor

Angst vor schlechter Qualität sowie logistische und rechtliche Hürden blockieren Einsparungen in Krankenhäusern.

Krankenhäuser und andere Pflegeeinrichtungen im Gesundheitssektor stehen seit Jahren unter hohem Kostendruck. Das Anfang 2016 in Kraft getretene Krankenhausstrukturgesetz setzt hier an und soll vermeintliche Fehler in der systematischen Übervergütung von Sachkosten in den Fallpauschalen vermeiden. Eine effektive Möglichkeit, dem Kostendruck zu begegnen, ist die Suche und Entwicklung günstiger Lieferanten im Ausland. Vorbehalte hinsichtlich der Qualität und hohe logistische Hürden halten Kliniken jedoch von der Beschaffung in Low Cost Countries ab, wie die aktuelle Studie der Einkaufsberatung Inverto belegt.

Ein strategischer Global-Sourcing-Ansatz bietet die Chance, Verbandsmaterialien, Textilien und Chirurgiebedarf zu deutlich günstigeren Preisen zu beziehen. Die Studie „Global Sourcing im Gesundheitssektor“ zeigt, dass bei 70 % der Teilnehmer lediglich 10 % des Gesamteinkaufsvolumens auf den internationalen Einkauf entfallen. Hiervon werden nur 31 % aller Sachmittel aus günstigen Regionen wie Asien bezogen. 23 % der Befragten wissen nicht einmal, ob sie überhaupt international einkaufen.

Logistik ist die größte Hürde

Bei der Umsetzung von Global Sourcing Strategien sehen 72 % der Umfrageteilnehmer vor allem die Logistik als größtes Hindernis und schrecken vor der Organisation von Transporten, Zöllen und Lieferzeiten zurück. Durch mangelnde interne Ressourcen und fehlendes Know-how fühlen sich die Einrichtungen den neuen Aufgaben, Prozessumstellungen und der höheren Verantwortung nicht gewachsen.

Auch fehlende interne Akzeptanz und sprachliche Barrieren verhindern Global-Sourcing-Projekte. „Die Hürden einer globalen Beschaffung sind für Einkäufer im Gesundheitssektor weiterhin sehr hoch. Da der Krankenhauseinkauf oft nicht ausreichend strategisch qualifiziert ist, kann er entsprechende Aufgaben nicht wahrnehmen“, äußert sich Jan-Christoph Kischkewitz, Geschäftsführer bei Inverto und Verantwortlicher für die Studie.

Auch bei Einkaufsgemeinschaften, die einen großen Teil des strategischen Einkaufs für Krankenhäuser übernehmen, bestehen Vorbehalte gegenüber dem Low Cost Country Sourcing. Dieses Thema wird daher gar nicht oder nur zaghaft angegangen.

Angst vor Qualitätsrisiken

Weiterer Grund, warum oft nur bei deutschen Lieferanten eingekauft wird, ist die Angst vor schlechter Qualität. 68 % der Befragten meinen, dass bei der Umstellung des Einkaufs auf Niedriglohnländer mit minderwertiger Qualität der Produkte zu rechnen ist. Bei einem Direktimport müsste das Krankenhaus für Mängel selbst haften. Wird stattdessen bei deutschen Markenherstellern bestellt, übernehmen diese die Gewährleistung für die Qualität. Trotz der niedrigen Aktivität wegen der zuvor genannten Vorbehalte sehen 88 % der Umfrageteilnehmer klar das Potential für Kosteneinsparungen durch Low Cost Country Sourcing: Ein Einsparpotential von über 10 % vermutet die Hälfte der Teilnehmer, 27 % rechnen gar mit einem Potential von über 20 %.

erschienen in der Management & Krankenhaus, Ausgabe 7-8/2017, S.5
http://www.management-krankenhaus.de/

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