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2/2017 – Technik + Einkauf: Steuern mit Durchblick

Full-Service-Leasingverträge lassen die Herzen von Finanzern höherschlagen. Denn die festen Raten ermöglichen eine sichere Budgetierung. Die Sorglos-Pakete haben allerdings auch Nachteile: Höhere Kosten und keinen Spielraum für einen günstigeren Einkauf.

Dirk Martin, Geschäftsführer des Softwareunternehmens PMCS GmbH mit Sitz in Bad Camberg, setzt auf durch­schaubare Kalkulationen seiner Lieferanten. Das gilt erst recht für den Fuhrpark, einem der größten Aufwandspositionen in der Gewinn- und Verlustrechnung. Mit rund 65 Fahrzeugen sind seine Mitarbeiter in ganz Deutschland unterwegs. Mit ihrem aktuellen Vorzeigeprodukt können die Leasingfirmen, mit denen Martin regelmäßig zusammenarbeitet, allerdings nicht punkten: Full-Service-Verträge, die Wartung, Reifen und eine Vielzahl an weiteren Dienstleistungen mit einschließen. „Dadurch, dass in der angebotenen Pauschalrate nicht die Finanzierungs- und Service­anteile ausgewiesen werden, ist keine Transparenz gegeben. Zu­dem sind Vergleiche nicht mehr so einfach, sodass für den Anbie­ter der Druck, das beste Angebot abzugeben, signifikant zurück­geht“, bringt Dirk Martin auf den Punkt, warum er Full-Service- Leasing ablehnt. Und berührt damit einen wunden Punkt des von der Leasingbranche massiv promoteten Modells. Der Kunde kann nicht erkennen, ob die eingepreisten Serviceleistungen zu realen Marktbedingungen angesetzt sind oder ob der Kalkulation wo­möglich ein zu niedriger Restwert zugrunde liegt. Aufseiten des Einkaufs wird das Prinzip des Total Costs of Ownership (TCO) sozusagen „außer Kraft“ gesetzt. Wie sich die TCO zusammen­setzt, ist weder erkennbar noch beeinflussbar.

Dabei gehört zum Standardwissen, dass sich durch die Wahr­nehmung von Preisschwankungen und durch Bündelungseffekte beträchtliche Kostenreduktionen erzielen lassen. Auch, dass die Marktvolatilitäten eher zu- als abnehmen und im immer härteren Wettbewerb vornehmlich nach unten ausschlagen. Laut dem aktuellen DAT-Report der Deutschen Automobil Treuhand GmbH sind beispielsweise die Kosten für Reparaturen in 2015 um durch­schnittlich 5,8 Prozent gesunken. Allerdings zahlen Leasinggesell­schaften ihren Kunden keinen Cent zurück, wenn sie die Kosten während der Vertragslaufzeit nach unten drücken. Dagegen ent­halten die fixen Raten Sicherheitszuschläge für das Risiko steigen­der Preise. Aus Expertensicht spricht deshalb einiges dafür, Finan­zierung und Services zu entkoppeln.

Unabhängige Experten einbinden

Auch wenn die Leasinggesellschaften in der Regel für einen der größten Kostenblöcke verantwortlich seien, empfehle es sich, bei einem Outsourcing unabhängige Fuhrparkinanagement-Exper- ten vorzuziehen, sagt Torsten Pirdzun, Prinzipal bei der Bera­tungsgesellschaft Inverto und Experte für den Einkauf indirekter Bedarfe. Pirdzun: „Sie haben ein breiteres und unabhängigeres Leistungsportfolio, gepaart mit ausgereifren Softwarelösungen.“ Mit diesem Rüstzeug wird marktweit nach den optimalen und günstigsten Fahrzeugen und Services für den individuellen Bedarf der Auftraggeber gesucht. „Bei einer konsequenten Ausschöpfung der Möglichkeiten sind die TCO im Schnitt um zehn bis 20 Pro­zent reduzierbar“, weiß Majk Strika, Geschäftsführer der ARI Fleet Germany GmbH, der deutschen Tochter eines weltweit täti­gen Fuhrparkmanagement-Dienstleisters. Natürlich gelte es auch beim Fuhrparkmanagement, unter den zahlreichen Anbietern zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu differenzieren, „Keine Verpflichtung auf bestimmte Marken oder Lieferanten, eine Ab­rechnung nach tatsächlichen Kosten unter Ausnutzung aller Einsparmöglichkeiten sind die essenziellen Basics des Dienstleis­tungsvertrags“, so Strika.

Ein qualifizierter Fuhrparkmanager kann aber nicht nur Kos­ten erfassen, Prozesse analysieren und ein konsequentes Multi- Supply umsetzen. Er leistet Hilfestellung bei der Optimierung der gesamten Fuhrparkorganisation. Viele Unternehmen verfügen zum Beispiel über gemischte Flotten aus Pkw, Nutz- und Sonder­fahrzeugen. „Durch eine Konsolidierung kann eine Professionali- sierung der Abläufe erreicht werden, da alle Aufgaben durch eine Person beziehungseise Abteilung ausgeführt und nicht auf mehre­re Köpfe im Unternehmen verteilt werden“, so Markus Füchten­busch von der Convivax AG, einer Beratungsgesellschaft für Effi­zienzsteigerung und Kostensenkung. Ein Leasingpartner für PKW bietet womöglich das Fahrzeugmanagement leichter Transporter mit an. Zwar gibt es auch ein Full-Service-Leasing für LKW. Da­mit wäre ein Unternehmen aber schon bei mindestens zwei Liefe­ranten. Bei tieferer Spezifikation eines Fuhrparks können es auch drei oder vier sein. Etwaige Prozessvorteile würden von dem or­ganisatorischen Aufwand weitgehend aufgefressen.

 

Erschienen in der Technik und Einkauf Ausgabe 2/2017.
http://www.technik-einkauf.de/

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