WISU: Im Einkauf steckt der Gewinn
Als Beraterin helfen Sie Unternehmen beim Einkauf. Wie muss man sich das vorstellen?
Gierse: Das reicht von der Ermittlung günstiger Einkaufsquellen, dem Aushandeln der Lieferverträge und der Qualitätskontrolle der Produkte über die Überprüfung der Lieferanten, ob sie etwa die Umwelt- und Arbeitsschutzvorschriften einhalten, bis zur Beratung bei komplizierten Supply Chains. Oft machen wir die Kunden auch auf interessante neue Produkte aufmerksam.
Haben die Unternehmen keine eigenen Einkaufsabteilungen?
Gierse: In der Regel schon, viele benötigen jedoch zusätzliche Hilfe. Manchmal bauen wir auch Einkaufsabteilungen in Unternehmen auf oder schulen die Mitarbeiter. Oder wir arbeiten als Interimsmanager eine bestimmte Zeit lang im Einkauf eines Kunden.
Eine alte Kaufmannsregel sagt: „Im Einkauf steckt der Gewinn.“
Gierse: Das stimmt. Beim Einkauf lässt sich in der Tat viel einsparen. Und es ist eine Kostensenkungsmaßnahme, die Personalabbau überflüssig macht.
Wer sind Ihre Kunden?
Gierse: Unternehmen jeder Größe und aus nahezu allen Branchen, vom Handel über Pharma und Textil bis zur Automobilindustrie. Manche beraten wir bereits seit vielen Jahren.
Wie kamen Sie zu INVERTO?
Gierse: Einer meiner Schwerpunkte während des Studiums war Supply Chain Management. Ein Gebiet, das mich gleich faszinierte. Gleichzeitig wünschte ich mir, in einerFirma zu arbeiten, bei der es immer wieder um neue Aufgaben, um unterschiedliche Produkte und Prozesse geht. Genau diese Kombination habe ich hier gefunden. Kein Tag ist wie der andere. Oft weiß ich morgens nicht, was am Nachmittag auf mich zukommt.
Dann haben Sie sicher auch viel mit China, Indien und Osteuropa zu tun?
Gierse: Wir haben dort überall Büros. In China und Indien war ich noch nicht, jedoch schon zu Lieferanten-Audits in Polen und Italien.
Müssen Sie wie andere Consultants oft zu den Kunden raus?
Gierse: Ja. Man muss ihren Einkauf kennenlernen, ihre Wünsche und Bedürfnisse. Häufig benötigt man auch Datenmaterial. Unsere Kunden sitzen übrigens in vielen Ländern Europas.
Beratungen wünschen sich oft mehr Frauen. Sind sie die besseren Consultants?
Gierse: Das kann man so sicher nicht sagen, da es von vielen Faktoren abhängt. Frauen können jedoch manchmal besser zwischen widerstreitenden Interessen vermitteln. Auch, weil sie oft diplomatischer sind.
Wirtschaft ist überwiegend noch eine Männerwelt. Fällt es einem da als Frau schwer, sich durchzusetzen?
Gierse: Ich erlebe immer wieder, dass einem als Frau bestimmte Dinge nicht ohne weiteres zugetraut werden. Ist man jedoch gut vorbereitet und kann man sein Können demonstrieren, wird einem dann oft sogar mehr Respekt und Anerkennung entgegengebracht als einem Mann.
Svenja Gierse, INVERTO AG







